Zum Erfolg gespurtet: Ihre Rolle als Ree Dolly in „Winter’s Bone“ brachte Jennifer Lawrence ihre erste Oscar-Nominierung. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Daniel Woodrell, der im Münchner Liebeskind Verlag erschienen ist. Inzwischen wurde die zweite Auflage gedruckt. Foto: verleih

Jennifer Lawrence über ihren neuen Film „Winter’s Bone"

München - Mit dem packenden Drama „Winter's Bone", das am Donnerstag bei uns anläuft, hat Jennifer Lawrence den großen Durchbruch in Hollywood geschafft. Lesen Sie hier das Interview zum Kinostart.

Für ihre Darstellung eines Mädchens, das in den Wäldern von Missouri verzweifelt nach dem Vater sucht, bekam die 20-Jährige ihre erste Oscar-Nominierung. Es wird vermutlich nicht ihre letzte bleiben. Demnächst ist sie in drei weiteren Kinofilmen zu sehen: ab 12. Mai in Jodie Fosters „Der Biber“, ab 26. Mai an der Seite von Charlize Theron in „Auf brennender Erde“ und ab 9. Juni in „X-Men: Erste Entscheidung“.

-Wie kommt man als Landei aus Kentucky nach Hollywood?

Mit 14 bekam ich ein Drehbuch in die Finger - und war sofort Feuer und Flamme. Ich wusste instinktiv: Die Schauspielerei ist genau das Richtige für mich. Deshalb habe ich meine Mutter überredet, in den Ferien mit mir nach New York zu gehen, um mich bei Agenturen vorzustellen. Nach meinem ersten Vorsprechen sagte man mir, noch nie hätte eine 14-Jährige so einen großartigen Eindruck hinterlassen. Daraufhin meinte meine Mutter: „Ach was, die schmeicheln dir doch bloß!“

-Sorgt Ihre Mutter auch heute noch dafür, dass Sie nicht abheben?

Ja, sie holt mich immer wieder auf den Teppich zurück: „Bilde dir ja nichts ein! So talentiert bist du auch wieder nicht!“ Sie hat damals auf mein Flehen hin den ganzen Sommer mit mir in New York verbracht - aber nur, weil sie dachte, ich würde eh jämmerlich scheitern und bald das Interesse für diesen Quatsch verlieren. Ich hingegen habe in meiner grenzenlosen Naivität nie daran gezweifelt, dass ich es schaffen würde.

-Und Sie haben Recht behalten. Allerdings haben Sie bislang stets einen Hang zu sehr düsteren Rollen gezeigt…

Stimmt. Aber Sie müssen sich deswegen keine Sorgen um meinen Geisteszustand machen. Es ist ganz einfach so, dass die meisten Drehbücher, die einem jungen blonden Mädchen wie mir angeboten werden, leider ziemlich bescheuert sind. Darum war ich so froh über „Winter’s Bone“: Das ist die beste weibliche Hauptrolle, die mir je untergekommen ist. Ich habe ohnehin ein Faible für Leute, die nicht aufgeben.

-Sie scheinen zu diesen Menschen zu gehören: Regisseurin Debra Granik hat erzählt, dass sie Sie gar nicht besetzen wollte, weil sie Sie zu hübsch fand.

Ja, sie hat mich sogar zweimal abgelehnt. Aber ich bin eben ein großer Dickkopf und habe mich noch ein drittes Mal beworben: Ich nahm einen Nachtflug nach New York, marschierte ewig im Eisregen durch die Stadt und schneite dann ins Produktionsbüro hinein - mit tiefen Augenringen und ungewaschenen Haaren, in denen Eiszapfen hingen. Wahrscheinlich haben sie mich bloß engagiert, weil sie Angst hatten, ich würde sonst vor ihrem Haus übernachten!

-Sind Sie sehr ehrgeizig?

Ich fürchte, ja. Ein grauenhafter Charakterzug, ich weiß. Wenn ich etwas erreichen will, setze ich alle Hebel in Bewegung. Allerdings bin ich auch nicht eifersüchtig, wenn jemand anderes die Rolle bekommt. Das nehme ich durchaus sportlich.

-Wie man hört, waren die Dreharbeiten im rauen Missouri sehr hart.

O ja. Wir haben fast einen Monat lang pausenlos gearbeitet, ohne einen freien Tag, bei Eiseskälte. Jeden Morgen haben sie mir die Zähne gelb gefärbt und Dreck in die Haare geschmiert. Ich musste lernen, wie man mit einem Gewehr umgeht und ein totes Eichhörnchen häutet, was ich ziemlich heftig fand. Nur Holz hacken konnte ich schon vorher ganz gut - schließlich bin ich ja ein Landei aus Kentucky!

-Was hätten Sie gemacht, wenn es mit der Schauspielerei nicht geklappt hätte?

Keine Ahnung. Als junges Mädchen wollte ich Ärztin werden. Manchmal glaube ich immer noch, dass ich es bin: vor allem, wenn ich einen Verletzten sehe. Einmal habe ich sogar am Meer eine halb ertrunkene Frau erfolgreich wiederbelebt - wie eine richtige Ärztin! Aus irgendwelchen Gründen zieht mich Blut magisch an. Ich kann seelenruhig essen, während ich mir Operationen im Fernsehen anschaue. Krank, oder?

Das Gespräch führte Marco Schmidt.

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