Jenseitiges Gequatsche

- Der Tod hat unangenehme Seiten, sicher. Andererseits könnte man sich trösten, dass wenigstens das Gequatsche um einen herum dann ein Ende hat. Aber nicht einmal das ist uns vergönnt, glaubt man dem Film "White Noise". Denn auch im Reich der Toten wird munter weiter geplappert. Das zumindest behaupten Menschen, die viel Zeit und ein Radio oder ein Fernsehgerät haben: Aus den Störgeräuschen könne man Botschaften aus dem Jenseits heraushören. EVP (Electronic Voice Phenomen) wird das genannt, und Autor Niall Johnson hat diese abstruse Theorie genutzt, um ein Drehbuch über eine nekrophile Schnitzeljagd zu verfassen.

<P>John Rivers (Michael Keaton) verbeißt sich nach dem Tod seiner Frau in die fixe Idee, noch einmal ihre Stimme zu hören. Also verbringt er Tage und Nächte vor rauschenden Lautsprechern, und bald hört er wirklich etwas. Als Bonus gibt es sogar TV-Bilder von der Verblichenen. Allerdings auch von anderen Toten. Das wird zum Problem, denn manche von ihnen haben notorisch schlechte Laune und inspirieren einen Psychopathen, der ebenfalls dem Rauschen lauscht, zu Morden. Debütant Geoffrey Sax hat das stilistisch beeindruckend, aber dramaturgisch allzu routiniert inszeniert. Trotz der witzlosen Auflösung und platter Christen-Folklore zum Schluss hat "White Noise" packende Momente. Das liegt vor allem an Michael Keaton, der subtil den wachsenden Fanatismus seines Helden darstellt. Solange offen bleibt, ob die Stimmen der Toten echt sind oder Wunschtraum, entwickelt die Geschichte eine faszinierende Kraft. Die Isolierung eines Mannes, der sein Leben den Toten widmet, ist letztlich furchterregender als die lächerlichen Schockeffekte beim Showdown zwischen Menschen und Schattenwesen. <BR><BR>Wenigstens weiß man nun, dass Menschen nach dem Tod ebenso wenig Sinnvolles zu sagen haben wie zu Lebzeiten. <BR><BR>(In München: Mathäser, Marmorhaus, Maxx, Cinema i.O., Museum i.O.).<BR><BR>"White Noise"<BR>mit Michael Keaton<BR>Regie: Geoffrey Sax<BR>Annehmbar </P><P> </P>

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