Fröhliche Rebellion in "Jimmy's Hall"

Berlin - Wie die meisten Filme Ken Loachs verfolgt „Jimmy’s Hall“ einen politischen Ansatz. Für Kunst hat sich diese Herangehensweise nicht immer als vorteilhaft erwiesen - das gilt aber nicht für „Jimmy’s Hall“.

Was nichts weiter in die Welt tragen soll als die Lehrsätze seiner Autoren, ist langweilig. Loach jedoch ist mit „Jimmy’s Hall“ keineswegs gescheitert. Seine Geschichte nimmt Bezug auf ein Theaterstück von Donal O’Kelly und erzählt eine wahre Begebenheit: Frisch aus den USA zurückkommend, errichtete der irische Kommunist Jimmy Gralton 1932 eine Tanzhalle in der Grafschaft Leitrim. Sie sollte Raum für Bildung, freie Begegnung, Amüsement und aufgeklärte politische Debatten bieten. Bei der katholischen Kirche und den biederen ländlichen Herrschaften erregte er damit höchste Aufregung und Hass.

Acht Jahre nach „The Wind That Shakes the Barley“ wendet sich Ken Loach damit erneut der irischen Geschichte zu. Doch obwohl „Jimmy’s Hall“ weniger ereignisreich ist, ist ihm damit der bessere Film gelungen. In Barry Ward fand er die perfekte Besetzung für den unternehmungslustig-heiteren Protagonisten. Und der Regisseur stellt seiner Hauptfigur nun eine (fast) ebenbürtige Frau gegenüber. Es knistert zwischen Jimmy und dieser Oonagh (Simone Kirby), doch der wichtigste Handlungsstrang wird nicht für eine beliebige Liebesgeschichte geopfert. Vielmehr spiegelt sich der rebellische Unterton der Geschichte in der Beziehung der beiden Charaktere.

Loach überträgt sein Ansinnen in eine lebendige, poetische Filmsprache. Er überrascht uns immer wieder, wenn er kritische Theorie fühlbar macht, in winzigen Momenten über die Realität hinausweist, erahnt, wie ein anderes Leben aussehen könnte – auch wenn es noch so hoffnungslos erscheint. So wie in der Szene, in der Jimmy und die mit einem anderen Mann verheiratete Oonagh nachts in der Halle tanzen. Das ist einfach nur schön.

Katrin Hildebrand

Rubriklistenbild: © Joss Barratt/Sixteen Films Why Not Productions/Pandora Filmverleih

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