Ein Joint auf die Siebziger

- Woran erinnert man sich am Ende seines Lebens, in den Sekunden vor dem Tod? Nicht an die ruhmreichen Momente, sondern an die verpassten Chancen. So erlebt es zumindest Heinz Hoschek (Alfred Dorfer). Der hat alles verloren: Die Mutter gestorben, der debile Vater im Heim, die Frau hat ihn rausgeworfen, den Job als Bankfilialleiter ist er auch los, und mit seinem Sohn bringt er kaum ein Gespräch über Schulnoten und Wetter zustande.

<P>Nun hockt Hoschek in der leeren Wohnung seiner Eltern und lässt sein Leben Revue passieren, unterstützt von Dosenbier, Valium, Gin und Konservenravioli. Er erinnert sich an sonnige Kindheitsnachmittage, das Moped zum 16. Geburtstag, die eigene Verlobung und die Spielsucht des Vaters. Geschickt vermischt diese Tragikomödie Realität und Fiktion: Mal kommt der Tod vorbei und kündigt seinen endgültigen Besuch an, mal der Geist der Siebziger-Jahre und raucht einen Joint. "Ravioli" basiert auf Dorfers Bühnenstück "heim.at". Mit Kabarett hat sein Film aber nicht mehr viel gemein, abgesehen von scharfzüngigen Off-Kommentaren. Peter Payer führte Regie und verschmolz Dorfers Monologe und Episoden zu einer skurrilen Legierung aus Satire und melancholischem Sozialdrama. Zwar steht Dorfer im Mittelpunkt des Geschehens, aber Payer bewahrt in der klugen Inszenierung seinen Anti-Helden vor jedem Zuviel an Dramatik. Stattdessen stellt Hoschek Fragen wie "Ist Optimismus nur eine Form von Informationsmangel?" oder "Ist es das Gemeinsame von Mann und Frau, dass man voneinander nichts weiß?"<BR><BR>An das Glück, erklärt Hoschek, habe er nie geglaubt. Trotzdem dreht sich der gesamte Film um gerade diese kurzen, raren Momente. Selbstironie und schwarzen Humor findet man häufig im jungen österreichischen Kino. Aber selten gepaart mit so viel Herzenswärme. <BR><BR>(In München: Studio Isabella, Forum Kinos). <BR>"Ravioli"<BR>mit Alfred Dorfer<BR>Regie: Peter Payer<BR>Sehenswert </P>

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