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Szene aus „Wilde Maus“. Hader erinnert sich: „Da musst du nicht viel spielen. Die Natur sorgt dafür, dass dir glaubhaft kalt wird.

Am Donnerstag läuft „Wilde Maus“ an

Josef Hader übers Regiedebüt und seine eiskalte Rolle

München - Dem breiten Publikum ist Josef Hader vor allem als Kabarettist und auch Schauspieler bekannt. Nun gibt er in „Wilde Maus“ sein Regiedebüt. Wir trafen ihm zum Interview.

Er ist nicht nur Österreichs erfolgreichster Kabarettist, auch im Kino hat Josef Hader (55)Kultstatus erreicht – etwa mit der Verfilmung seines Theaterstücks Indien oder als Privatdetektiv Brenner in vier Leinwand-Adaptionen von Wolf-Haas-Krimis, zu denen Hader auch die Drehbücher mitverfasste. Morgen läuft sein Regie­debüt Wilde Maus an. Zu seinen zahlreichen Auszeichnungen kommt demnächst der Dieter-Hildebrandt-Preis der Stadt München, der dem Multitalent am 28. Juni überreicht wird. Unser Interview mit dem Oberösterreicher:

Herr Hader, in „Wilde Maus“ spielen Sie einen rachsüchtigen Musikredakteur. Verbindet Sie mit der Kritikerzunft eine leidenschaftliche Hassliebe?

Josef Hader: Nein, mein Verhältnis zu Kritikern ist eigentlich recht entspannt. Als Kabarettist bewegt man sich meistens in einem geschützten Bereich: Anfangs finden einen alle interessant, später muss man eine Phase überstehen, in der die Kritiker schreiben, dass einem nichts Neues mehr einfällt. Und wenn man Glück hat, wird man anschließend zur Ikone. Ich wollte von jemandem erzählen, für den es ein großer Selbstwertverlust ist, wenn er seine Arbeit verliert. Musikkritiker hatten in Wien bis vor Kurzem eine fast königliche Stellung – jetzt werden sie abgebaut. Die Printjournalisten sind heute ein bisschen das, was im England der Achtzigerjahre die Bergarbeiter waren.

Können Sie sich vorstellen, wie Ihre Filmfigur einen Rachefeldzug zu starten?

Hader: Nein. Ich bin zwar auch dünnhäutig und leicht zu verletzen, aber für Rache wäre ich mir zu fein. Damit würde ich dem Feind ja verraten, wie wichtig er mir ist. Ich schlucke meinen Zorn lieber herunter und entwickle so eine Art Trotz: Ich versuche dann, es irgendwie allen zu zeigen – das war bei dem Filmprojekt auch so.

Ihr Regiedebüt ist das Produkt einer Trotzreaktion?

Hader: Ja, ich war verärgert, weil die Filmförderung ein anderes Projekt von mir und Wolfgang Murnberger abgelehnt hatte. Auf einmal hatte ich einen ganzen Sommer frei und hab’ mir gedacht: „Das muss jetzt für etwas gut sein!“ Daraufhin habe ich das Drehbuch zu Wilde Maus geschrieben.

Hader „Die Hauptrolle wollt‘ ich abgeben“

Wieso haben Sie sich zusätzlich noch die Hauptrolle aufgehalst?

Hader: Die wollt’ ich dann abgeben, aber die Produktionsfirma hat mir davon ­abgeraten. Denn wenn ich wieder einen nächsten Film machen will, muss ich darauf schauen, dass Wilde Maus auch möglichst viele Zuschauer hat. Das geht in Österreich mit mir in der Hauptrolle leichter.

Sie haben sich selbst eine Sequenz ins Drehbuch geschrieben, in der Sie fast nackt durch tiefen Schnee laufen müssen – eine Form der Selbstkasteiung?

Hader: Halb so wild. Im Prinzip habe ich weniger gefroren als das Filmteam, weil ich immer wieder in ein warmes Auto steigen konnte. Es ging also immer vom Warmen ins Kalte und zurück, so eine Art verschärfte Wellness. Aus Darstellersicht war die Szene eher leicht: Wenn du in Unterhosen durch den Schnee rennst, musst du nicht viel spielen – da sorgt schon die Natur dafür, dass einem glaubhaft kalt ist. Auf der Suche nach etwas zum Einschmieren gegen die Kälte hat mir der Apotheker Vaseline empfohlen, aber blöderweise glänzt man damit wie ein Speckschwarterl. Dann hab’ ich Wollfett entdeckt. Das hab’ ich mir dann draufgeschmiert, aber ob mir damit wärmer war, das weiß ich nicht. Psychologisch hatte ich zumindest das Gefühl, ich hab’ eine Schutzschicht.

Wie haben Sie als Regisseur mit Ihren Darstellerkollegen gearbeitet?

Hader: So wie ich es als Schauspieler selber gern hab. Ich mag es zum Beispiel nicht, wenn wer am Set herumschreit. Wenn du selbst Regie führst, kannst du das aber wunderbar verhindern, weil du ja praktisch der Einzige bist, der herumschreien dürfte. Ich habe mich bemüht, eine Atmosphäre zu schaffen, in der die Filmtechnik völlig in den Hintergrund tritt, in der man möglichst frei agieren und Dinge ausprobieren kann.

Was bedeutet es Ihnen, nun mit einem Preis ausgezeichnet zu werden, der nach Dieter Hildebrandt benannt ist?

Hader: Dieter Hildebrandt hat mich praktisch mein ganzes Leben lang begleitet. Zuerst hab ich als Schüler das erste Kabarettprogramm meines Lebens mit ihm und Werner Schneyder gesehen, später war er ein verehrter Kollege, mit dem ich manchmal auf der Bühne stehen durfte. Und egal, mit wem er auf der Bühne gestanden hat, er war immer der Jüngste und Neugierigste von uns allen!

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