Jung, dumm, Boss

- Es ist gar nicht lange her, da waren junge rücksichtslose Dampfplauderer, die mit virtuellen Produkten virtuelle Firmen gründeten, die neuen Helden der Wirtschaft. Nicht wenige haben sich mittlerweile als Verbrecher oder kapitale Versager entpuppt. Genau um diese Diskrepanz zwischen leerer Selbstdarstellung und dem harten Brot ehrlicher Arbeit geht es in "Reine Chefsache". Paul Weitz präsentiert sich nun als ätzender Beobachter des Zeitgeists.

<P class=MsoNormal>Dem 51-jährigen Dan (Dennis Quaid), einem verdienten Verlags-Mitarbeiter, wird der 26-jährige Jungspund Carter (Topher Grace) als Chef vor die Nase gesetzt. Demütigend genug, aber es kommt noch schlimmer. Es werden "moderne" Methoden eingeführt, man trifft sich jetzt auch gerne mal am Sonntag zu Besprechungen, und überhaupt haben alle Tag und Nacht für die Firma da zu sein. Aus Angst um seine Existenz macht Dan alles mit und erträgt es sogar, wenn ihm der Juniorchef gönnerhaft die Wunder der Weltwirtschaft erklärt. Dan weiß, dass Worte wie "Synergieeffekt" immer das selbe bedeuten: mehr Arbeit für weniger Geld. </P><P class=MsoNormal>Als der alerte Jungmanager aber auch noch ein Auge auf Dans Tochter (Fräuleinwunder Scarlett Johansson) wirft, ist es mit der Duldsamkeit vorbei. Dan geht in die Offensive. Es kommt zum unbarmherzigen Krieg der Generationen. Alte Schule gegen New Economy sozusagen. Wie schnell sich Menschen unter wirtschaftlichen Zwängen in gewissenlose Monster verwandeln, ist hier geradezu beängstigend gut eingefangen. Für einen US-Film erstaunlich frech stellt "Reine Chefsache" amüsiert fest, dass sich alle den Gesetzen der Marktwirtschaft unterwerfen, ohne dass je geklärt worden wäre, wer genau die eigentlich in Stein gehauen hat.</P><P class=MsoNormal>Dennis Quaid, der im Alter immer besser wird, und der rotzige Topher Grace nutzen dieses Duell der Weltanschauungen zu einem sehenswerten schauspielerischem Feuerwerk. Ironischerweise entspricht die Konkurrenz, die zwischen Kino-Veteran Quaid und Newcomer Grace zu spüren ist, genau der Intention des Films. Was umso lustiger ist, da Quaid als Jungdarsteller ja ebenfalls oft als charmanter Flegel besetzt wurde. Weitz ist gewitzt genug, ein versöhnliches Ende für seine rabenschwarze Satire zu finden. Unterhaltsam ist das auf jeden Fall, aber eigentlich auch traurig, weil man trotz des Gelächters spürt, dass solche Geschichten im richtigen Leben selten gut ausgehen. (In München: Gloria, Marmorhaus, Cinema i.O.) Zoran Gojic</P><P class=MsoNormal>"Reine Chefsache"<BR>mit Dennis Quaid, Topher Grace<BR>Regie: Paul Weitz<BR>Hervorragend</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Vorwurf von Tierquälerei - Film-Premiere abgesagt
Los Angeles - Nach einem Tierquälerei-Skandal sind die Premiere und Pressetermine zu dem Hundefilm „Bailey - Ein Freund fürs Leben“ kurzfristig abgesagt worden.
Vorwurf von Tierquälerei - Film-Premiere abgesagt
Filmkritik zu „Personal Shopper“: In der totalen Einsamkeit
München - Olivier Assayas „Personal Shopper“ lebt von dem Talent seiner Hauptdarstellerin und driftet nicht in eine Grusel-Persiflage ab.
Filmkritik zu „Personal Shopper“: In der totalen Einsamkeit
Filmkritik zu „Verborgene Schönheit“: Zu viel Pathos
München - David Frankels Drama „ Verborgene Schönheit“ setzt zu sehr auf Symbolik und ein allzu schöngefärbtes Happy End.
Filmkritik zu „Verborgene Schönheit“: Zu viel Pathos
Der schweigsame Onkel: Filmkritik zu „Manchester by the Sea“
München - „Manchester by the Sea“ trumpft vor allem im zwischenmenschlichen Bereich auf. Es geht um Verantwortung und Familie.
Der schweigsame Onkel: Filmkritik zu „Manchester by the Sea“

Kommentare