Junger Flirt und tote Hose - Spektakel von Cannes startet

Cannes - Alte Liebe rostet nicht: 24 Jahre nach seiner Goldenen Palme für "Paris, Texas" geht der Deutsche Wim Wenders zum neunten Mal mit einem Film im Wettbewerb von Cannes an den Start. Auch etliche andere treue Partnerschaften werden bei der 61. Ausgabe des größten Filmfestes der Welt aufgefrischt, das heute startet.

Doch was wäre ein Festival ohne junge Flirts? Fast der Hälfte aller Teilnehmer im Wettbewerbsprogramm steht das aufregende "erste Mal" einer Premiere im Festivalpalais bevor.

Zu den ganz lässigen Veteranen im Trubel von Cannes gehört neben Wenders, der das Drama "Palermo Shooting" mit Campino von den Toten Hosen mitbringt, sicher auch Palmen- und Oscar-Gewinner Clint Eastwood (77). Er zeigt "Changeling", ein Drama über eine Mutter, deren Kind in den 1920er-Jahren gekidnappt wird.

Gewohnt bescheiden und zurückhaltend wird wohl wieder der Auftritt von Jean-Pierre und Luc Dardenne. Das belgische Bruderpaar, das für seine kleinen, realistischen Dramen schon zweimal den Hauptpreis gewonnen hat, zeigt dieses Mal "Le silence de Lorna" (Lornas Stille). Viel Erfahrung mit den Verrücktheiten von Cannes hat auch der Amerikaner Steven Soderbergh, Gewinner 1989 mit "Sex, Lügen und Video".

Er verlangt vom Publikum heuer Sitzfleisch, denn sein Werk "Che" besteht aus zwei kompletten Spielfilmen über den kubanischen Revolutionsführer Che Guevara (Benicio del Toro) und ist exakt vier Stunden und 28 Minuten lang.

Für den Eröffnungsfilm "Blindness" (Die Stadt der Blinden) mit Julianne Moore nach dem Roman des Literaturnobelpreisträgers José Saramago macht das Festival eine Ausnahme von der Regel, wonach der Appetitanreger zum Kino-Menü eigentlich immer außer Konkurrenz läuft. Der brasilianische Regisseur Fernando Mereilles ("City of God") sieht das mit gemischten Gefühlen. "Ich weiß, dass ,Blindness nicht der passendste Film zur Einstimmung auf ein Cocktail und eine Party ist, und ich weiß, dass die Geschichte manche Leute ärgern wird."

Unbestrittener Entertainment-Höhepunkt wird indes die Weltpremiere von Steven Spielbergs Abenteuer "Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels" mit Harrison Ford und Cate Blanchett sein.

Das Festival dauert bis zum 25. Mai, insgesamt konkurrieren 22 Produktionen um die Preise. Präsident der Wettbewerbsjury ist der amerikanische Schauspieler und Regisseur Sean Penn. Als Jurymitglied wird übrigens auch eine Deutsche Abend für Abend über den roten Teppich laufen: Es ist die Schauspielerin Alexandra Maria Lara.

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