Kämpfende Prinzessin

- Ein junges Mädchen, das nach dem Tod von Mutter und Zwillingsbruder von ihrem Vater verlassen wurde, wächst bei den Großeltern auf. Ihr Opa findet keinen rechten Draht zu der aufgeweckten Elfjährigen, zu fern sind sich die Welten des Teenagers und die der Tradition, die Denken und Handeln des Alten bestimmt.

<P>Diese Konstellation wäre an sich schon aufregend genug. Doch "Whale Rider", der zweite Film der jungen, viel versprechenden neuseeländischen Regisseurin Niko Caro, spielt unter den Maori, den Ureinwohnern des Inselstaates. Und Pai, benannt nach der mythischen Sagengestalt, die einst auf einem Wal geritten kam, ist zudem letzter Spross einer Häuptlingsfamilie. Nur sieht die Tradition kein Frauenregiment vor - zur Verbitterung des Großvaters bleibt nur die Wahl, diese eherne Regel zu ignorieren oder den Familienanspruch erlöschen zu lassen.<BR><BR>Wirklichkeitszwänge, Überkommenes und Moderne scheinen in der Stammesgesellschaft unvereinbar. "Whale Rider" ist ein realistisches Drama, eine so sympathische wie berührende Emanzipationsgeschichte, doch zugleich fast ein Märchen über eine junge Prinzessin, die im Bund mit Freunden und Tieren um Glück und Anerkennung kämpft. Am meisten begeistert die völlig unbekannte Hauptdarstellerin Keisha Castle-Hughes. </P><P>Man lebt, leidet und freut sich mit ihr. Atemberaubende Naturaufnahmen verstärken die Wirkung des Films. Auch durch sie erinnert er an den Streifen "Die letzte Kriegerin", mit dem Regisseur Lee Tamahori bekannt wurde, bevor er nach Hollywood ging. Niko Caro könnte Ähnliches bevorstehen. </P><P>(In München: Mathäser, Leopold, City, Cinema i. O., Tivoli, Kino Solln.)<BR><BR>"Whale Rider"<BR>mit Keisha Castle-Hughes, <BR>Rawiri Paratene<BR>Regie: Niko Caro<BR>Hervorragend </P><P> </P>

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