Kakerlaken in Europa

- Dieser Film ist schlecht. Von Anfang an stimmt die Chemie nicht zwischen den beiden Hauptdarstellern, und auch wer Brittany Murphy oder Ashton Kutsher eigentlich irgendwie schnuckelig findet, fragt sich spätestens nach einer Viertelstunde, warum er sich deswegen "Voll verheiratet" angucken muss.

<P>Die Geschichte handelt von einem ungleichen Paar, das sich liebt, heiratet und auf der Hochzeitsreise merkt, wie ungleich es ist und dass das ja alles nicht funktionieren kann. Oder eben doch. Denn wieder zu Hause, dauert es nicht lange, bis die beiden sich versöhnen. In Hollywood zählen eben nur Luft und Liebe. Und vor Schreck erstarrt der Zuschauer im Kinosessel, fürchtend, es könnte neuen Streit und somit eine Fortsetzung des Films geben . . .<BR><BR>Bis vor ein paar Wochen hätte man es dabei bewenden lassen können. Dann aber machte es "Rums!" und das schnöde Wort vom "Alten Europa" die Runde. Daran denkend sieht man auch den Film plötzlich mit neuen Augen. Denn Tom und Sarah fahren ja zum Honeymoon nicht irgendwo hin, sondern zuerst auf ein liebliches Schlösslein nach Frankreich, dann nach Venedig, also sozusagen ins kulturelle Herz des Kontinents. </P><P>Überall begegnen ihnen dort schreckliche Sachen, Kakerlaken zum Beispiel, Stromausfälle, Franzosen, die schlecht Englisch können. Und das glückliche Traumpaar benimmt sich so, wie Amerikaner es eben in fremder Umgebung manchmal tun: daneben. Unhöflich, fremdenfeindlich und ignorant trampeln die beiden durch Hotels und Kulturdenkmäler. Das soll natürlich lustig sein, und sorgt vielleicht in Nebraska für ein paar Lacher, aber als Europäer schaut man eher befremdet. Und plötzlich begreift man: Sie haben eigentlich nur Angst. Und Shawn Levy's Film ist nichts anderes, als ein versteckter Hilferuf.</P><P><BR>Wir haben, ausnahmsweise im Namen des ganzen alten Europa, Mitleid. </P><P>(In München: Marmorhaus, Maxx, Gloria, Karlstor, Cinema i. O.)</P><P><BR>"Voll verheiratet"<BR>mit Brittany Murphy<BR>Regie: Shawn Levy<BR>Unerträglich </P><P> </P>

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