Der kalte Übervater

- "Nur eines steht fest: Keiner von uns kommt in den Himmel." Wenn Paul Newman dies sagt, im letzten Drittel von Sam Mendes' Film, hat der Zuschauer schon begriffen: Fast alle Figuren haben ihr Seelenheil verloren, der Weg zur Verdammnis (so die Übersetzung des Filmtitels) ist ihnen sicher - wobei Perdition auch der Name der Stadt ist, die das Ziel der Reisenden dieses Roadmovies bildet. Aber der Ton, in dem Newman den Satz ausspricht, verweist auf viel mehr: auf Lebensweisheit und auf das Naturgesetz, dass Väter ihre Söhne bedingungslos schützen, obwohl sie ahnen, dass diese Söhne ihnen das Grab schaufeln werden.

<P></P><P>Väter und Söhne, die Macht der Familie - das ist die Linie, die "American Beauty" mit "Road to Perdition", also den ersten mit dem zweiten Film von Sam Mendes verbindet. Paul Newman spielt mit 77 Jahren den Bösewicht: John Rooney, Pate der irischen Mafia irgendwo im Nordosten der USA im Jahr 1931, also zur Zeit der "großen Depression". Ein grandioser Altersauftritt als kalter Schurke, für den der Zuschauer doch immer Respekt und einen Hauch von Sympathie behält.</P><P>Er ist der eine von zwei Vätern dieses Films. Sein leiblicher Sohn Connor (Daniel Craig) ist ein brutaler Taugenichts, und Papa verzeiht ihm alles, selbst jeden unnötigen Mord. Einen solchen begeht er an der Frau und dem jüngeren Sohn von Michael Sullivan. Sullivan (Tom Hanks) kann fliehen in Begleitung seines anderen Sprösslings Michael Jr. (Tyler Hoechlin), aus dessen Perspektive alles erzählt wird.</P><P>Das Verhältnis zwischen beiden Sullivans bildet das eigentliche Zentrum dieses Films ohne Frauen. Liebevoll zeichnet Mendes die zögernde Annährung des Sohnes an den großen "harten" Vater, den er aus der Ferne bewundert. Doch Sullivan will sich an Connor rächen, und so nimmt eine Auseinandersetzung auf Leben und Tod ihren Lauf. Eine brutale, blutige, archaische Geschichte ist es, die Mendes da, basierend auf der bekannten Comic-Vorlage, erzählt.</P><P>Filmisch zitiert er ein ganzes Universum: den Film Noir, die amerikanischen Mythen, die im Western und Roadmovie anklingen, sowie die Bilder Edward Hoppers. Doch zugleich erreicht "Road to Perdition" nicht die Klasse dieser Vorbilder. Das liegt an einer gewissen Kälte, einem Verliebtsein in die eigenen Mittel. Und es liegt am Hauptdarsteller Tom Hanks. Bosheit, Zynismus und Abgründigkeit, die nötig sind, um dieser Vaterfigur neben aller Güte eine andere, nicht weniger wichtige Note zu geben, nimmt man Hanks nie ab. Ihm fehlt genau das, was ein Paul Newman besitzt, um seiner Figur die erforderliche Doppelbödigkeit zu geben. (In München: Maxx, Münchner Freiheit, Atlantis, Tivoli, Cinema i.O., Museum i.O.)</P><P>"Road to Perdition"<BR>mit Tom Hanks, Paul Newman,<BR>Jude Law<BR>Regie: Sam Mendes<BR>Sehenswert</P>

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