Film der Woche

Das Kammerspiel der Schlitzohren

Joseph Vilsmaiers „Brandner Kaspar“ ist gefällig alpenländisch inszeniert, schwächelt aber in entscheidenden Szenen

Natürlich geht jedem Bayern das Herz auf, wenn er dieses Panorama vor Augen hat: die Alpenkette im duftigen, leicht milchigen Licht. Dazu süffig klingende Musik, und Joseph Vilsmaier hat die Zuschauer für seinen Film „Die Geschichte vom Brandner Kaspar“ milde gestimmt. Obwohl er es wagt, gegen mittlerweile zwei legendäre Theaterinszenierungen anzutreten: die von Kurt Wilhelm im Bayerischen Staatsschauspiel und die aktuelle von Christian Stückl im Münchner Volkstheater. Du hast keine Chance, nütze sie, hat sich Vilsmaier wahrscheinlich gesagt. Und hat auf bayerische Berg-Träume, die halt die Kamera besser als die Bühne einfangen kann, unverwüstliche Wildererromantik und eine stattliche Riege guter Schauspieler gebaut.

Klaus Richters Drehbuch folgt der bekannten Geschichte (Vorlage war Kobells Erzählung) bis auf einige Episödchen, die überflüssig sind und wohl nur Könner vom Schlage eines Detlev Buck als Vorzeige-Preiß und einer Elisabeth Trissenaar als Spät-Gspusi vom Brandner integrieren sollen.

Was die Optik betrifft, sind die Trick-Szenen einfallslos, das gebirglerische Ambiente jedoch erweist sich als hyperkorrekt museal bis hin zu den Holznägeln für den Sarg von Kaspars Enkelin Nannerl. Sie ist den Streithansln Fonse (Sebastian Bezzel) und Toni (Peter Ketnath) zum Opfer gefallen. Politisch korrekt sind ein paar szenische Schlenker aufs Elend um 1860, dazu passt wiederum die nette Obrigkeit von Prinz und Preiß überhaupt nicht. Nur der Großbauer und Bürgermeister (Alexander Held) darf fies sein.

Dieses Nicht-Passen gibt es ja häufig bei Vilsmaiers Arbeiten, wobei der „Brandner“ trotzdem recht gut funktioniert. Einem Franz Xaver Kroetz als armem Häuslmo Kaspar und einem Bully Herbig als Boanl (im Film ohne d) schaut man einfach gern zu, auch wenn ein anderer Regisseur mehr aus ihnen herausgeholt hätte. Ausgerechnet die wichtigste Szene zwischen beiden, wenn der Tod den Brandner holen will und von ihm mit Hilfe von Kerschgeist und Falschspiel pratzlt wird, schwächelt. Die beiden Komödianten kommen nicht richtig in Schwung, stehen wie neben sich. Großaufnahmen stören das Kammerspiel der Schlitzohren eher, als dass sie Eindruck machen. Entspannter, ja inniger ist Kroetz, wenn’s ums Nannerl (Lisa Maria Potthoff) geht. Leider lässt ihm die Regie für Liebe, Schmerz, Wut und Vergebung zu wenig Zeit – das saust so vorbei.

Dann ist man wieder bei den Spaßetteln im Himmel, wo Jörg Hube als Portner Petrus, Herbert Knaup als Erzengel Michael und Jürgen Tonkel als Märtyrer Nantwein trocken-humorige Akzente in den ansonsten kitschig-harmlosen Gefilden setzen. Selbst beim Plagiieren der Jungen Riederinger Musikanten im Elysium, die im Volkstheater die Zuschauer zu Begeisterungsstürmen hinreißen, stellt sich der Film ungeschickt an. Komik kommt gar nicht erst auf.

„Die Geschichte vom Brandner Kaspar“

mit Franz Xaver Kroetz, Michael „Bully“ Herbig, Jörg Hube

Regie: Joseph Vilsmaier

Simone Dattenberger

Info: Das gleichnamige Hörspiel zum Film ist im Hörverlag erschienen.

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