Kammerspiel zweier Damen

- Hat er, oder hat er nicht? Catherine (Fanny Ardant) verdächtigt ihren Mann Bernard (Gérard Depardieu), eine Affäre zu haben. Sie ahnt mehr, als sie beweisen kann. Um diese Beweise endlich zu bekommen, setzt Catherine die Prostituierte Nathalie (Emmanuelle Béart) auf den eigenen Gatten an. Über jedes Rendezvous mit dem Untreuen erstattet Nathalie der gehörnten Angetrauten brav Bericht, in immer heißeren Details und plastischeren Ausschmückungen.

<P>Wer jetzt allerdings einen schon fast ans Pornographische grenzenden Film wie "Baise-moi" oder "Heimliche Spiele" erwartet, dürfte enttäuscht sein: Zwei Frauen treffen sich zu einem Kaffee oder einem Glas Wein, rauchen ein paar Zigaretten - der Rest ist reine Verbalerotik. Wobei fast ausschließlich Nathalie spricht. Ihrer Auftraggeberin bleibt der undankbare Part, als Gegenüber mal mehr schockiert, mal eher interessiert oder ungläubig zu schauen. Dennoch ist Fanny Ardants großartiges, ausdrucksvolles Gesicht das einzige, was von "Nathalie" letztlich in Erinnerung bleibt. Emmanuelle Bé´art müht sich, die abgeklärte Mätresse zu spielen, bleibt aber meist zu frostig und unglaubwürdig. Und Gé´rard Depardieu hat in diesem Kammerspiel zweier Damen ohnehin nur ein paar Stichworte abzuliefern. Warum er der Mann ist, für den sich die beiden Frauen sehnsüchtig verzehren, bleibt bis zum Ende diffus.</P><P>Wie bereits ihr "Nettoyage a sec" ist auch dieser Film Anne Fontaines elegant und mit technischer Finesse inszeniert. Doch all die erlesen arrangierten Szenen schüren nicht das Feuer der Leidenschaft zwischen den drei Akteuren, sondern lassen "Nathalie" nur zu einem in wunderschönen Bildern erstarrten Kunstprodukt ohne Seele und Furor werden. Fontaines Kritik am Eheleben der 50-Jährigen, an ihrem großbürgerlichen Wohlleben und der Gefühlsverlagerung auf Statussymbole wird zum Bumerang: Inmitten der Altbauten, goldenen Kronleuchter und dunkelroten Seidentapeten gerinnt die eigentlich zentrale Aussage des Films zum leblosen Tableau. Daran kann auch die Starbesetzung nichts mehr ändern. (In München: Mathäser, Isabella, Eldorado, Theatiner i O.)</P><P>"Nathalie"<BR>mit Emmanuelle Bé´art, Fanny<BR>Ardant, Gé´rard Depardieu<BR>Regie: Anne Fontaine<BR>Annehmbar</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Vorwurf von Tierquälerei - Film-Premiere abgesagt
Los Angeles - Nach einem Tierquälerei-Skandal sind die Premiere und Pressetermine zu dem Hundefilm „Bailey - Ein Freund fürs Leben“ kurzfristig abgesagt worden.
Vorwurf von Tierquälerei - Film-Premiere abgesagt
Filmkritik zu „Personal Shopper“: In der totalen Einsamkeit
München - Olivier Assayas „Personal Shopper“ lebt von dem Talent seiner Hauptdarstellerin und driftet nicht in eine Grusel-Persiflage ab.
Filmkritik zu „Personal Shopper“: In der totalen Einsamkeit
Filmkritik zu „Verborgene Schönheit“: Zu viel Pathos
München - David Frankels Drama „ Verborgene Schönheit“ setzt zu sehr auf Symbolik und ein allzu schöngefärbtes Happy End.
Filmkritik zu „Verborgene Schönheit“: Zu viel Pathos
Der schweigsame Onkel: Filmkritik zu „Manchester by the Sea“
München - „Manchester by the Sea“ trumpft vor allem im zwischenmenschlichen Bereich auf. Es geht um Verantwortung und Familie.
Der schweigsame Onkel: Filmkritik zu „Manchester by the Sea“

Kommentare