Die Kantine ist so gut wie in Frankreich

- Schauspieler! - Gütig lächelt Chabrol, während das ausgeleierte alte Federbett sich quietschend auf und ab bewegt. Darauf sitzt der 73-jährige Regisseur im Kreis seiner Darsteller Laura Smet, Benoî^t Magimel und Isolde Barth - eine Pose für die Fotografen. Als diese wieder draußen sind, dirigiert er freundlich, klar seine Darsteller - dann geht er aus dem Weg, damit der Rest des Teams seine Arbeit tun kann. Seit einigen Tagen dreht der Franzose schon in den Münchner Bavaria-Studios die letzten Bilder für seinen Film "Die Brautjungfer".

<P>"Mit Chabrol zu drehen, ist ein Genuss."<BR>Isolde Barth</P><P>"Für mich ist es nichts Ungewöhnliches, in Deutschland zu drehen," meint Chabrol, der für seine Vorliebe für Drehorte in der französischen Provinz bekannt ist, vorzugsweise in der Nähe eines überregional bekannten Restaurants: "Manchmal braucht man die Studios, manchmal hat es auch finanzielle Gründe. Glücklicherweise ist die Kantine genauso gut wie in Frankreich." Mit der "Brautjungfer" knüpft er in gewissem Sinn an "Biester" an. Wie bei diesem Film stammt die Vorlage von der britischen Krimiautorin Ruth Rendell, gutes Material für einen typischen Chabrol-Psychothriller. "Eine spannende Geschichte über die Geheimnisse der menschlichen Seele - zu viel will ich aber nicht verraten."<BR><BR>Die Handlung dreht sich um einen jungen Mann, der sich in die Brautjungfer seiner Schwester verliebt. Diese Senta wird gespielt von Laura Smet, dem neuesten Mädchenstar des französischen Kinos und einer Tochter berühmter Eltern: Deutlich erkennt man die Gesichtszüge ihrer Mutter Nathalie Baye. Vater Johnny Halliday ähnelt sie jedoch kaum. Ihr Filmpartner Benoî^t Magimel ist dagegen schon etabliert. Für die Franzosen ist diese Form der deutsch-französischen Zusammenarbeit selbstverständlich. "Aber einen Europudding gibt's deshalb nicht", betont Chabrol, "Filme brauchen einen klaren Ort, zu dem sie gehören".<BR><BR>"Mit Chabrol zu drehen, ist ein Genuss", schwärmt auch die Münchnerin Isolde Barth, die Sentas Mutter spielt und für ihre Rolle extra Tango tanzen lernte. Sie lobt die Genauigkeit des Regisseurs: "Da spüre ich wieder, warum ich Schauspielerin geworden bin." Das Resultat wird man bei dem bekannt schnellen Arbeiter Chabrol - über 60 Filme drehte er seit 1958 schon - bald im Kino sehen können. Der von dem Münchner Alfred Hürmer koproduzierte und mit rund 300 000 Euro vom FFF-Bayern geförderte Film kann im August in Venedig Premiere feiern und soll im Herbst ins deutsche Kino kommen.<BR></P>

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