Kartons werden zu Raketen

- Kindergeschichten funktionieren besonders gut, wenn sie in einfachen Bildern und Worten von dem erzählen, was die Kleinen bewegt: von der Wichtigkeit der Freunde, von der Sehnsucht nach Liebe und Anerkennung, von Ängsten im Dunkeln und der Neugier auf alles, was entdeckt werden will. Doch junge Kinogänger sind ein kritisches Publikum: Nur wenn sie sich wiederfinden in einer solchen Geschichte, wenn sie sich ernst genommen fühlen, werden sie sich dafür begeistern. Piet de Rycker und Thilo Graf Rothkirch haben versucht, genau das im Film "Lauras Stern", der nach Klaus Baumgarts gleichnamigem Kinderbuch entstanden ist, zu beherzigen. Die Poesie steht im Mittelpunkt: Liebevoll skizzierte und animierte Bilder malen eine Welt, in der Träume und Realität verschwimmen, in der Pappkartons zu Raketen werden und Plüschtiere mittels Sternenstaub Leben eingehaucht bekommen.

<P>Jenseits aller Action-Comics kann die Story um die Freundschaft zwischen Laura und dem vom Himmel gefallenen Stern, dessen Zacke nur dank eines Pflasters hält, kleine und auch große Zuschauer fesseln. Denn die Gefühle, die Laura erlebt, die Einsamkeit nach dem Umzug in eine fremde Stadt, die Freude über den wundersamen neuen Freund und die Angst, ihn wieder zu verlieren, wenn sie ihn dorthin zurück gehen lässt, wo er her kommt, kann jeder teilen. Lauras Entschluss, ihn loszulassen und darauf zu vertrauen, dass er wieder fliegen wird, ist mutiger als ein Kampf gegen Helden. Doch frei von Science-Fiction-Einflüssen sind de Rycker und Rothkirch nicht. Sie führen, anders als im Buch, die Figur der "Robocat" ein, einer Art außerirdischer Katze, die eingreift, wenn es keinen Ausweg zu geben scheint. Ein Tribut an die "modernen" Kinder von heute? Das hätte man sich sparen können. </P><P>(In München: Mathäser, Marmorhaus, Maxx, Royal, Museum.)<BR><BR>"Lauras Stern"<BR>Regie: Piet de Rycker, Thilo Graf Rothkirch<BR>Sehenswert <BR></P>

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