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Günther Kaufmann feiert sein Comeback

Günther Kaufmann: Zurück an Bord

In Bully Herbigs „Wickie und die starken Männer“ spielt der 62-Jährige einen Piraten, den „Schrecklichen Sven“. Es ist sein Comeback nach dem Ausflug in den TV-Dschungel.

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Günther Kaufmann lernte „Bullys“ strenge Seite kennen

Wenn er lacht, bebt das ganze Mannsbild. Und Günther Kaufmann lacht viel an diesem Nachmittag. Es ist ein begeistertes Lachen, dem man gern das Adjektiv „kindlich“ voranstellen würde. Doch dann entstünde ein falsches Bild bei einem Mann mit Kaufmanns Geschichte. Aber ungläubig, erstaunt ist sein Lachen manchmal schon. Ganz so, als wolle Kaufmann, der 1947 als unehelicher Sohn eines US-Soldaten und einer Deutschen in München zur Welt kam, nicht glauben, dass das, was gerade geschieht, Wirklichkeit ist.

Denn Kaufmann scheint sich wieder ganz auf seinen Beruf als Schauspieler konzentrieren zu können. Mit 62 Jahren. Nachdem er 831 Tage für einen Mord im Gefängnis saß, den er zwar gestanden, aber nicht begangen hat. Und nachdem er am „Dschungelcamp“ des Privatsenders RTL teilnahm, einer Sendung, die so etwas wie das televisionäre Gnadenbrot für C- und D-Promis ist, bevor die vollständig aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwinden.

Erst vor der Kamera, dann im Dschungel

Doch bevor Kaufmann im Januar in den Dschungel ging, stand er im vergangenen Jahr vor der Kamera von Michael Bully Herbig. Der Münchner Regisseur ist bekannt dafür, Millionen Menschen mit seinen Filmen ins Kino zu locken, und man muss kein Prophet sein, um zu sagen, dass ihm dies auch mit „Wickie und die starken Männer“ gelingen wird. Der Film startet morgen.

Dann werden die Zuschauer Günther Kaufmann als Piratenkapitän Schrecklicher Sven erleben. Eine Nebenrolle zwar – aber was für eine! „Wickie“ könnte Kaufmanns Comeback sein. Danach sah es zunächst nicht aus: „Was soll i bei ,Wickie‘? Da pass i ned nei“, erzählt er im Gespräch mit unserer Zeitung von seiner ersten Reaktion. „I bin dunkelblond und die brauchen einen Hellblonden.“

Casting im Fernsehen

Wie er dennoch eine Rolle bekam, konnte die Fernsehnation auf ProSieben erleben, wo sich Herbig einen Teil der Schauspieler öffentlichkeitswirksam zusammensuchte. „Ja, des bin ja i“, rief Kaufmann herrlich bairisch, als ihm Schrecklicher Sven gezeigt wurde. Heute sagt er: „Und jetzt war’s i. So wie’s keiner kann. Und jetzt sind alle glücklich.“ Nein, es mangelt Günther Kaufmann nicht an Selbstbewusstsein. Das darf es auch nicht, will er, der in den Siebzigerjahren von Rainer Werner Fassbinder entdeckt und zum Star gemacht wurde, noch einmal durchstarten. Dass im vergangenen Jahr die Komödie „Mord ist mein Geschäft, Liebling“, in der er neben Rick Kavanian und Bud Spencer eine kleine Nebenrolle hatte, an den Kinokassen floppte, kommentiert Kaufmann mit einem Schulterzucken – „Das lag nicht an mir. Ich war gut.“

Ist der Schreckliche Sven die ideale Rolle für ein Comeback? Kaufmann poltert sofort los: „Die Rolle bietet sehr viele Facetten, von leise bis laut. Sven ist ein Mörder, ein Killer, ein linker Vogel – ein schlechter Mensch, dem man alles zutraut. Ein Schwein. Das ist doch gut!“ Dann lacht er wieder sein bebendes Kaufmann-Lachen. Und wird sehr schnell sehr ernst, als er über die Arbeit mit Herbig berichtet: „Es ist lustig, so lang du es spielen kannst. Nur wenn du es nicht kannst, übst du es so lange, bis du es kannst. Und das kann sehr anstrengend werden. Man muss bei Bully sehr gut vorbereitet sein.“

Am letzten Drehtag etwas unwirsch

Man kann getrost davon ausgehen, dass Kaufmann immer sehr gut vorbereitet war. Nur am letzten Drehtag sei Bully etwas unwirsch geworden. Da hatte Kaufmann ihm gesagt, dass er am RTL-Dschungelcamp teilnehmen werde. „Wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich dich wahrscheinlich nicht engagiert“, habe ihm sein Regisseur gesagt. „Bully, ich hab Schulden. Zahlst du meine Schulden?“, sagte Kaufmann damals: „Darauf gab es keine Antwort. ,Siehst Du, deshalb muss ich in den Dschungel. Aber verlass Dich doch auf mich‘“.

Herbig hätte ihn hinterher zu seinem Auftritt in der Show beglückwünscht, erzählt Kaufmann stolz. Dennoch: „Der Dschungel hat mir beruflich nichts gebracht. Außer Sympathien ohne Ende bei den Zuschauern.“ Und er konnte mit dem RTL-Geld einen Teil seiner Schulden bezahlen. „Die Machenschaften der Ex-Frau haben mich finanziell ruiniert“, sagt Kaufmann, der im Februar 2001 gestanden hatte, seinen Steuerberater ermordet zu haben.

„Ich bin doch kein Trottel“

Ein falsches Geständnis, um seine krebskranke Frau Alexandra aus den Ermittlungen rauszuhalten. „Nicht eine Sekunde hätte ich sie geschützt, wenn ich geahnt hätte, dass meine Frau mit dem Mord etwas zu tun gehabt hat. Ich bin doch kein Trottel. Ich wollte sie schützen – nicht, weil ich wusste, dass sie etwas getan hatte, sondern weil sie todkrank war“, sagt Kaufmann. Erst nach Alexandras Tod kam heraus, dass sie die drei Täter zu dem Überfall mit Todesfolge angestiftet hatte.

Im Januar 2005 sprach das Landgericht Augsburg auf übereinstimmenden Antrag der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung Kaufmann von jeglicher Beteiligung an dem Verbrechen frei. Jetzt will Kaufmann, der Wehrdienst bei der Marine geleistet hatte, auch als Schauspieler wieder zurück an Bord. Als Piratenkapitän in „Wickie“, als „Schwarzer Columbo vom Starnberger See“, einer Krimi-Serie, die er fürs Fernsehen realisieren will (wir berichteten). Und zudem hat sich Otto Waalkes gerade bei ihm gemeldet und ihn für seinen neuen Film engagiert, den er nächstes Jahr dreht. Günther Kaufmann nimmt wieder an Fahrt auf.

Michael Schleicher

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