Das ist kein Durchschnittsgaul

- Eine Sportlegende aus jenen leider vergangenen Zeiten, als es unschuldige Sportlegenden noch geben konnte. Im Zentrum: ein Pferd unter Millionen in den USA. Eher in schlechtem Zustand. Andere hätten es erschossen und in den Jahren der "Großen Depression", als in Nordamerika nicht wenige Menschen Hunger litten, zu Dosenwurst verarbeitet.

<P>Aber drei Männer, die der Zufall zusammenführte - sein Besitzer Charles Howard (wunderbar: Jeff Bridges), der Trainer Tom Smith (ausgezeichnet: Chris Cooper) und der Jockey Red Pollard (hervorragend: Tobey Maguire) -, entdeckten und förderten die verborgenen Qualitäten von Pferd "Seabiscuit".  So machten sie aus dem Durchschnittsgaul das berühmteste Rennpferd der 30er-Jahre - eine bis heute bezaubernde, erstaunlich reine Variante des "american dream".<BR><BR>Der Film von Gary Ross basiert auf dem Bestseller von Laura Hillenbrand. Zunächst ist "Seabiscuit" einmal nostalgisch. Das Pferd und seine Karriere werden zur Pathos-getränkten Metapher für den Wiederaufstieg der Roosevelt-Ära, als sich die USA aus den Niederungen der Depression erhoben: "Happy days are here again", lautete das Motto der Epoche. </P><P>Und das Pferd aus dem Nichts schien zu beweisen, dass Erfolg auch gegen alle Vorzeichen und Widerstände noch für den größten Outsider möglich ist.<BR>Tatsächlich ist der Film guter, dabei unterhaltsamer Geschichtsunterricht auch für jene, die nichts über die US-Historie vor dem Zweiten Weltkrieg wissen. Denn er geht über warmherzige Nostalgie hinaus, zeigt auch die Schattenseiten der Epoche. Dabei ist er wahrhaftig, ohne sich in ein tristes Sozialdrama zu verwandeln.<BR><BR>Im Zentrum aber bleibt der Mythos. "Seabiscuit" besitzt die klassische Struktur eines Sportfilms: Einführung in die Figuren, ihre unmögliche Aufgabe, erste Erfolge, Vorbereitung auf den großen Wettkampf, Rückschläge und Katharsis, Sieg in letzter Sekunde, Happy End. Man sieht das gern, weil es mit wunderbaren Darstellern geschmackvoll erzählt ist. Der Film verzichtet auf jeglichen Pferdekitsch: Keine großen braunen Augen wissen mehr, als je ein Mensch zu fragen wagte, und kein Reiter flüstert dem armen Tier in der Nacht vor der Schlacht etwas ins Ohr. Dafür bietet "Seabiscuit" atemberaubende Sportaufnahmen, die, nah und dynamisch, einem den Eindruck geben, selbst mitzureiten. Ein Gefühl auch für die Gefahren und Schwierigkeiten des Pferderennsports. </P><P>"Seabiscuit"<BR>mit Jeff Bridges, Chris Cooper,<BR>Tobey Maguire<BR>Regie: Gary Ross<BR>Hervorragend </P>

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