Kein Lacher zwischendurch

- "Das Leben ist ein Karussell, und es ist wichtig, dass man drauf sitzt und nicht nur davor steht." Fritz Wepper ist sein Leben lang dieser Philosophie treu geblieben. Der heute 63jährige, der mit seinem Bruder Elmar bereits als Kind am Münchner Residenztheater auftrat, war nie lange untätig.

<P>Bereits mit 18 Jahren feierte er in Bernhard Wickis legendärem Kinofilm "Die Brücke" seinen ersten großen Erfolg. 1964 wurde er für seine Rolle in "Kennwort . . . Reiher" mit dem Filmband in Gold ausgezeichnet. Die ganz große Karriere schien zum Greifen nahe, als er 1971 den Gigolo Fritz Wendel in "Cabaret" spielte. An der Seite von Liza Minelli und Michael York. Unter der Regie von Bob Fosse. Er wurde in den USA durch die Talkshows gereicht, man wollte mehr wissen über den smarten jungen Mann aus Germany. Doch ein Vertrag hielt ihn in Deutschland. Ausgerechnet die Rolle des Harry Klein, die fortan für Dezennien sein Leben bestimmen sollte, hielt Fritz Wepper ab vom Sprung über den großen Teich.</P><P>Er spielte daher nicht in weiteren amerikanischen Großproduktionen mit, sondern gab den ewigen Assistenten. Erst 80 Mal als Harry Klein an der Seite von "Kommissar" Erik Ode; anschließend wechselte er 1974 in gleicher Funktion und unter gleichem Namen den Chef.</P><P>Als Harry Klein war Wepper 281 Folgen und 23 Jahre lang der Assistent von Horst Tappert alias Stephan Derrick. Stets blieb Wepper im Hintergrund, sagte Sätze wie "Ich mach' das schon, Stephan" oder "Alles klar, Chef", sobald der nach irgendetwas verlangte, um die Mordfälle im schmucken Grünwald rascher und effizienter aufklären zu können.</P><P>"Eine Menge Selbstironie."<BR>Fritz Wepper</P><P>"Ich bezeichne es trotzdem ganz bewusst als Glück, diese ersten 13 Folgen ,Derrick unterschrieben zu haben", erklärt Wepper mit Nachdruck und fester Stimme, um auch wirklich sämtliche Zweifel auszuräumen. "Natürlich hätte ich gerne noch etwas mehr Hollywood-Luft geschnuppert damals. Aber das war eben nicht möglich. Und ich bin mehr als zufrieden mit all dem, was ich in meinem beruflichen Leben erreicht habe bisher." Er beginnt eine Aufzählung, die bis zu seiner neuen Serie "Um Himmels Willen" an der Seite von Jutta Speidel reicht. Und während er seine Erfolge nennt, wird klar, dass hier tatsächlich keiner sitzt, der noch einer möglichen Hollywood-Karriere hinterher trauert. Hier sitzt vielmehr ein Schauspieler, dessen eigentliche Karriere allerdings auch nicht viel mit "Derrick" zu tun hat. Natürlich, die Krimiserie verschaffte dem vor Tatkraft fast vibrierenden Wepper über Jahrzehnte hinweg ein angenehmes Auskommen und eine unglaubliche Popularität. Man erkennt Wepper nicht nur in jeder europäischen Hotellobby, sondern auch auf dem Flughafen in Tokio oder Sidney. Doch erst ab 1998 hatte Wepper genügend Freiraum, sich freizuspielen.</P><P>"Die Leute haben mich nach Derrick oft angesprochen und gesagt: Ich wusste gar nicht, dass Sie auch komisch sein können. Da frage ich mich immer nur: Wo hätte der Witz denn bitte Platz gehabt in einer Serie, in der es um Mord und Totschlag ging? Da kann man einfach keinen Lacher zwischendurch anbringen." Als Bürgermeister Wöller in "Um Himmels Willen" beispielsweise kann er nun aber endlich mal witzig und schlagfertig sein oder darf "so richtig den Stinkstiefel geben". Das sei nicht immer zur Nachahmung empfohlen, grinst Wepper, und seine Frau würde schon gelegentlich anmerken, er solle "den Wöller mal lieber am Set lassen und nicht mit nach Hause nehmen". "Aber ich kann versichern, der Wepper ist privat nicht ansatzweise so schlimm wie der Wöller."</P><P>Nach knapp sechs Jahren haben sich nun Horst Tappert und Fritz Wepper wieder einmal getroffen, um die alten Rollen aufzuwärmen. Im Zeichentrickfilm "Derrick - Die Pflicht ruft" leihen die Krimi-Veteranen den Comicfiguren ihre der Fernsehnation bestens vertrauten Stimmen. "Es gehört schon eine Menge Selbstironie dazu, da jetzt mitzumachen. Schließlich ist die Figur des Harry Klein nur 1,43 Meter groß und schaut manchmal so blöde, wie ich es damals sicher nie getan habe!" Der Film denunziert zwar seine Protagonisten nicht, aber er springt auch nicht gerade zimperlich mit den Macken der beiden Helden um. "Der Film ist sehr ironisch und witzig, deswegen hat das Synchronisieren viel Spaß gemacht. Ironie entsprach damals nicht dem Konzept der Serie und _ das denke ich heute mit einigem Abstand - wohl auch einfach nicht der Zeit, in der die Folgen entstanden sind."</P><P>Ab 24 Uhr widmet heute das ZDF dem Kult-Ermittler eine "Derrick-Nacht". Sie beginnt mit einem 25-minütigen "Making of" zur Entstehung des gezeichneten Krimi-Abenteuers. Danach, bis 4. 30 früh, gibt's vier der insgesamt 281 "Derrick"-Folgen.</P>

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