"Kein Zauber, kein Ruhm"

- Hollywood (dpa) - Der Regiestudent Hunter Bodyn ist enttäuscht. Seinem Protest gegen den Irak-Krieg vor dem Kodak-Theater am Hollywood-Boulevard, wo an diesem Sonntag die 75. Vergabe der Oscars über die Bühne gehen soll, schließen sich nur wenige an. Der Student hält die "Los Angeles Times" mit Berichten über "chirurgische Raketenangriffe" hoch. In roten Lettern hat er drei Mal über die Titelseite das Wort "Lies" geschrieben. Nur eine Handvoll anderer Jungfilmer gesellt sich zu ihm.

<P>"Dabei sind auch die meisten großen Stars gegen den Krieg", versichert Bodyn, "aber nur wenige von ihnen sagen das öffentlich."</P><P>Vielleicht täuscht er sich. Die "Oscar-Macher" bei der US- Filmakademie, bei den großen Studios und beim Fernsehsender ABC sind jedenfalls in Sorge, dass ausgerechnet die Jubiläumsgala zur Plattform für unüberhörbare Proteste von Prominenten gegen den "Bush- Krieg" wird. "Man kann darauf wetten, dass Stars politische Erklärungen abgeben", sagt der Hollywood-Publizist Tom O'Neill. Er verweist darauf, dass Fernsehsender in aller Welt mit insgesamt mehr als einer Milliarde Zuschauern die Oscar-Show live von ABC übernehmen wollen - eine Versuchung für die Kriegsgegner unter den teilnehmenden Stars.</P><P>Inzwischen will selbst der Chefproduzent Gil Cates, der immer wieder versichert hatte, dass die Show stattfinden werde, nicht mehr ausschließen, dass die Oscar-Zeremonie doch noch verschoben wird. Wenn die Dramatik des Krieges keine andere Wahl lasse, könne eine solche Entscheidung noch ganz kurz vor dem Beginn der Oscar-Gala fallen - nach mitteleuropäischer Zeit um 2.30 Uhr in der Nacht zum Montag.</P><P>Prominenten wurde inzwischen dezent empfohlen, die allzu glitzernden Festroben im Schrank zu lassen. Die Tonlage der Show werde "eher gedämpft ausfallen", schrieb das Fachblatt "The Hollywood Reporter" und titelte: "Kein Zauber, kein Ruhm". Bereits abgesagt wurde das stundenlange Ankunfts-Defilee der Prominenten auf dem mit rotem Teppich ausgekleideten Hollywood-Boulevard. Arbeiter bauten die Zuschauer- und Pressetribünen vor dem Kodak-Theater wieder ab und rollten den Teppich ein, auf dem die TV-Klatschnudeln Joan und Melissa Rivers Stars wieder zu deren Designer-Kleidern und neuen Lieben befragen wollten.</P><P>"Wer hätte gedacht, dass der Tag kommen würde, an dem die Unterhaltungsindustrie nicht mehr über sich selbst schwatzen möchte", sagte Melissa. Man sei sich "bewusst, dass vielen prominenten Gästen angesichts des Krieges unwohl dabei wäre, Interviewern und Kameraleuten gegenüberzustehen, hieß es bei der Filmakademie. Daniel Day-Lewis, der für seine Schurkenrolle in "Gangs of New York" als bester Hauptdarsteller nominiert ist, hatte zuvor erklärt, es wäre "obszön, wenn wir da herumtanzen, während Menschen sterben".</P><P>Er wäre wohl nicht der einzige gewesen, der das vor laufenden Kameras am roten Teppich wiederholt hätte. Pedro Almodovar, mit "Sprich zu ihr" ein Anwärter auf den Regie-Oscar, nannte den Krieg eine "Katastrophe, die Millionen von Menschen betrifft". Und der Autor Michael Moore ("Stupid White Man"), der mit seinem Dokumentarfilm "Bowling for Columbine" nominiert ist, lässt keine Gelegenheit aus, US-Präsident George W. Bush zu kritisieren,</P><P>Bei der eigentlichen Show könnten sie nur das Wort ergreifen, wenn sie als Oscar-Gewinner auf die Bühne gerufen werden. "In den 45 Sekunden, die ihnen gehören, können sie im Rahmen des guten Geschmacks sagen, was sie wollen", gestand Cates den Siegern zu. Von jenen Stars hingegen, die in der Gala-Nacht die Gewinner-Umschläge öffnen, werde Zurückhaltung erwartet. Ob sich Susan Sarandon und Dustin Hoffmann, aktive Mitglieder der Initiative "Cinema for Peace", daran halten, bleibt abzuwarten. Ob man das dann auch im Fernsehen erlebt, ebenfalls. ABC hat bereits angekündigt, dass bei wichtigen Kriegsmeldungen kurzfristig ins Nachrichtenstudio umgeschaltet wird.</P><P>Gänzlich ausgeschlossen wurden die Medien von mehreren immer noch geplanten Nach-Oscar-Feten der Studios und vom Governors Ball, der offiziellen Sieger-Party der Filmakademie. Sollte die im letzten Moment zusammen mit den Oscars ausfallen, will Wolfgang Puck, Hollywoods österreichischer Starkoch, die aufgefahrenen Köstlichkeiten an Armenküchen liefern lassen. Derweil machte in Arnold Schwarzeneggers Restaurant "Schatzi", einem Treffpunkt deutschsprachiger Hollywoodianer, eine Empfehlung für Pucks Ball-Menü die Runde: Gedämpfte Zunge.</P>

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