Ich mag keine knallbunten Filme

- Til Schweiger (41) ist seit Mitte der 90er-Jahre einer der Stars des deutschen Kinos. In den letzten Jahren pendelte er zwischen Deutschland und den USA, wo er in einigen Hollywood-Filmen mitwirkte. Mit der Romanze "Barfuss", die Geschichte eines Herumtreibers, der von einer Verehrerin aus der Irrenanstalt verfolgt wird, legt Schweiger nun seine dritte Regiearbeit vor. Kino-Start ist morgen.

<P>"Barfuss" ist ein ziemlich ungewöhnlicher Film, auch formal. Wieso haben Sie sich für so ein ausgefallenes Projekt entschieden?<BR><BR>Schweiger: Es ist eine Art Märchen, deswegen musste der Film ein wenig unwirklich aussehen. Das ist aber auch Geschmackssache. Ich mag keine knallbunten Filme, also habe ich mich für diesen farbentsättigten Look entschieden. Das Problem ist immer, dass Komödien hell und bunt sein sollen. Hell vor allem wegen des Fernsehens, weil die Zuschauer angeblich keine dunklen Bilder mögen. Das sind immer Diskussionen, die man für eine TV-Auswertung führt. Aber ich habe in erster Linie das Kinopublikum im Auge, deswegen will ich Kinobilder zeigen.<BR><BR>Sie haben die Produktion, die Regie und die Hauptrolle übernommen. Da hätten Sie es sich doch ein bisschen einfacher machen können.<BR><BR>Schweiger: Na ja, dieser Loser Nick, der vor der Liebe davonläuft, ist so eine schöne Rolle, die wollte ich einfach gerne spielen. Und zu inszenieren und zu produzieren ist eine Notwendigkeit, wenn man ein Projekt so gestalten möchte, wie man es sich erträumt.<BR><BR>Wie inszeniert man sich denn selber?<BR><BR>Schweiger: Das war in dem Fall einfach, weil ich ja an dem Drehbuch mitgeschrieben habe und früh eine Vorstellung von der Figur Nick hatte. Und dann muss man eben während der Dreharbeiten kontrollieren, ob es wirklich so aussieht, wie man es sich vorgestellt hat, was natürlich ziemlich zeitaufwändig ist.<BR><BR>Ihr Team hat Sie als sehr aufgeschlossenen Regisseur gelobt. Sie sind demnach kein Diktator?<BR><BR>Schweiger: Ich habe alle aufgefordert, mich mit Ideen zu konfrontieren. Ich hatte eine klare Vorstellung von dem Projekt. Aber das heißt ja nicht, dass im Verlauf der Dreharbeiten jemand eine Idee für eine Szene haben könnte, die viel besser ist als meine. Und wenn eine Idee gut ist, nimmst du sie eben. Es gibt wunderschöne Dinge in dem Film, die nicht von mir sind. Manche Regisseure mögen es überhaupt nicht, wenn jemand Vorschläge macht. Ich finde das dumm, es ist ein Zeichen von Unsicherheit. Du kannst ja immer noch Nein sagen, wenn der Vorschlag nichts taugt.<BR><BR>Filmpartnerin ist Johanna Wokalek, eine gefeierte Theaterschauspielerin. Waren Sie da etwas befangen, weil Sie einen ganz anderen Werdegang haben und ursprünglich vom Fernsehen kommen?<BR><BR>Schweiger: Für mich gibt es nur Schauspieler. Und man sollte sich immer mit den besten Schauspielern umgeben. Je besser dein Partner, desto besser wirst du selber. Außerdem ist Theater per se kein Gütesiegel. Es gibt Burgschauspieler, die im Film gar nicht funktionieren. Und es gibt welche, die beides perfekt können. Johanna Wokalek ist so jemand. Wissen Sie, ich habe schon mit namhaften Mitgliedern der Royal Shakespeare Company gedreht, und es war eine sehr schöne und entspannte Erfahrung, weil die völlig unbefangen sind. Das ist nicht so, dass man denkt: Oh mein Gott, da steht ein Titan neben mir.<BR><BR>Sie haben in aufwändigen Hollywood-Filmen mitgespielt. Haben Sie daraus etwas für Ihre Arbeit gelernt?<BR><BR>Schweiger: Man lernt aus jedem Film etwas, und wenn es die Erkenntnis ist, wie man etwas nicht machen sollte. Aber grundsätzlich kann man die Produktion von Filmen in Deutschland und Hollywood nicht vergleichen. Das sind zwei verschiedene Welten. Hollywood, das ist ein aberwitziger, undurchschaubarer Apparat. Da werden 150 Millionen Dollar für einen Film verpulvert, ohne dass man das dem Ergebnis ansehen würde. Du stehst fassungslos davor und fragst dich: Wo geht dieses ganze Geld hin?<BR><BR>Könnten Sie sich vorstellen, einen Film in Hollywood zu inszenieren?<BR><BR>Schweiger: Der Gedanke ist mir nie gekommen. Das würde ich mich sehr genau überlegen. Ich wüsste nicht,ob ich Lust darauf hätte.</P><P>Das Gespräch führte Zoran Gojic</P>

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