Keine Regeln - keine Skrupel

- Auch kleine Nationen haben das Recht auf einen anständigen Krieg, findet der New Yorker Hilfsarbeiter Yuri (Nicolas Cage) und beschließt, deswegen ins Waffengeschäft einzusteigen. Freilich treibt ihn nicht Idealismus, sondern die Aussicht, mit wenig Aufwand fantastische Summen umzusetzen. Wichtig ist nur, dass man nicht mit der Ware, die man eben erst verkauft hat, selber erschossen wird. Ansonsten gibt es keine Regeln oder Skrupel. Geschossen wird immer irgendwo auf der Welt. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs gibt es genügend Waffen, die zirkulieren und nur den Weg zum Käufer finden müssen. Yuri nutzt die Marktlücke und reguliert das als Zwischenhändler.

Er gibt den Leuten, was sie wollen - was sie damit tun, ist nicht sein Problem. Diese "entspannte" Haltung treibt ihm liquide, wenn auch zwielichtige Kunden zu, das Geschäft floriert, aber der Erfolg ruft Interpol auf den Plan. Die schickt einen Agenten (Ethan Hawke) los, der Yuris Treiben unterbinden soll. Regisseur und Autor Andrew Niccol hält sich im Wesentlichen an Fakten. Mit einem halben Dutzend solcher Waffenschieber hat er gesprochen und deren Erfahrungen in die Geschichte einfließen lassen. Irgendjemand verkauft ja ganz offenkundig all den Despoten und Rebellen in Afrika oder Südamerika Waffen.

Niccol hat schon mit seinem Drehbuch zu "Truman Show" bewiesen, dass er ein sicheres Gespür für aktuelle Strömungen hat. Vor acht Jahren erschien die Vorstellung, dass ein Mensch ununterbrochen für ein TV-Doku-Drama beobachtet wird, völlig absurd - heute läuft jeden Tag Ähnliches. Und Niccols Regiedebüt, das Klon-Drama "Gattaca", gilt heute nicht mehr als abgehobene Science-Fiction, sondern als beängstigend zutreffendes Zukunftsszenario.

Wenn sich der Neuseeländer Niccol nun mit Waffenhandel und dessen Folgen beschäftigt, greift er damit natürlich die Stimmung in seiner Wahlheimat USA auf. Wie Nicolas Cage als völlig entfesselter Turbo-Kapitalist jeden noch so leisen Zweifel an seinem Treiben beiseite schiebt, ist ein ätzender Kommentar auf die derzeitigen Zustände. Cage spielt das hinreißend überzogen bis an die Grenze zur Schmierenkomödie. Vor allem aber macht sich Niccol gnadenlos über den Waffenfetischismus der Amerikaner lustig: Echte Gefühle lodern in Yuri eigentlich nur auf, wenn er Nutzen und Schönheit seiner Waffen anpreist. Die Amerikaner konnten darüber nicht recht lachen, aber als Europäer kann man viel Spaß mit dieser subversiven Satire haben. Auch wenn man trotz des Gelächters immer trauriger wird und am Ende das Kino völlig verzweifelt verlässt.

(In München: Mathäser, Marmorhaus, Maxx, Gabriel, Cinema i.O.)

"Lord of War"

mit Nicolas Cage, Ethan Hawke

Regie: Andrew Niccol

Sehenswert

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