Ein Kind ist uns geboren

- Man sieht es kommen, als postmoderner Agnostiker wehrt man sich dagegen, aber am Ende kapituliert man vor der emotionalen Wucht, die Alfonso Cuaron in "Children of Men" entfesselt. In irritierend harten Bildern zeigt er die Welt des Jahres 2027.

Seit fast 19 Jahren wurde kein Kind mehr geboren, und schleichend hat sich die Gesellschaft in eine Kloake aus Gewalt und Zynismus verwandelt. Es regiert ein Polizeistaat, der sich mit einer radikalen Opposition in einem verdeckten Bürgerkrieg befindet.

In dieser Situation wird eine Frau schwanger ­ ausgerechnet eine Immigrantin. Eine von denen, die von der Regierung gnadenlos deportiert werden. Die Rebellen wollen das politisch nutzen, aber die junge Frau (eine Entdeckung: Claire Hope Ashitey) will nur in Frieden ihr Kind zur Welt bringen und setzt sich ab. Der abgestumpfte Jedermann Theo (Clive Owen) ist der einzige, der ihr hilft. Ohne so recht zu wissen weshalb, opfert er sich für das Mädchen: Sein Leben hat doch noch einen Sinn bekommen.

1992 hat die britische Bestsellerautorin P.D. James diese Anti-Utopie entworfen. Cuaron setzt die Geschichte bildgewaltig um, ohne sie zu zerdrücken. Das Berückende daran ist das authentische Szenario. Alles was gezeigt wird, gibt es oder hat es gegeben. Die Kunst besteht darin, das glaubwürdig zu einer Erzählung zusammenzusetzen. "Children of Men" gelingt das grandios. Einen märchenhaften Moment gestattet sich Cuaron bei der Geburt. Mitten in einer Straßenschlacht kommt das Kind zur Welt, und für wenige Minuten scheint das Wunder zu wirken. Alle lassen verblüfft ihre Waffen sinken und starren ungläubig das kleine Bündel Leben an. Aber irgendwo schießt irgendein Idiot dann doch, und der Krieg tobt weiter.

Die allgegenwärtige Gewalt zeigt Cuaron mit unbarmherziger Kälte. Hier wird keine infantile Gewalt-Ästhetik bedient, jeder Hieb, jeder Schuss tut weh. Und Clive Owen, lange als neuer Bond gehandelt, ist weit davon entfernt, ein Superheld zu sein. Eher verzweifelt denn entschlossen kämpft er für das letzte bisschen Hoffnung, das der Menschheit geblieben ist. Der einzige, auf den er dabei zählen kann, ist ein weltfremder Alt-Hippie (Michael Caine stiehlt sich wie immer die schönsten Szenen).

Das Ende bleibt offen. Beim Abspann sind dann spielende Kinder zu hören, und John Lennon beschwört mit "Power to the People" die Macht des Einzelnen. In diesem Augenblick, spätestens, hat einen dieser Film endgültig gepackt.

"Children of Men"

mit Clive Owen,

Claire Hope Ashitey

Regie: Alfonso Cuaron

Hervorragend

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