Was Kinder mögen

- Erfolgreiche Jugendbücher wirken erstaunlich oft, als wären sie gar nicht für Kinder geschrieben. Die Romanreihe "Lemony Snicket" ist ein schönes Beispiel. US-Autor Daniel Handler schildert hier mitunter recht drastisch die düsteren Abenteuer der drei Geschwister Baudelaire, die nach dem gewaltsamen Tod ihrer Eltern das Geheimnis ihrer Familie lüften. Violet, Klaus und Sonny müssen sich im Film der Nachstellungen des sinistren Grafen Olaf (Jim Carrey ist kaum wieder zu erkennen) erwehren. Olaf hat es auf das beträchtliche Baudelaire-Erbe abgesehen. Nur die Kinder Durchschauen das Spiel - die Erwachsenen sind zu sehr mit sich selber beschäftigt.

<P>Es sind die unsentimentale Schilderung des Außenseiter-Daseins der Waisen und der sarkastische Blick auf das autistische Verhalten Erwachsener, die "Lemony Snicket" für Kinder so anziehend macht. Es gibt zwar viel zu Lachen, aber der Witz ist grimmig, nie harmlos, anbiedernd. Und es werden keine falschen Rücksichten genommen. Sympathische Charaktere müssen sterben. Eine skeptische Weltsicht vielleicht, aber keine negative. Solange die Kinder zusammen bleiben und sich aufeinander verlassen können, haben sie eine Chance.<BR><BR>Anders als etwa bei "Harry Potter" ist die Adaption eines exzentrischen literarischen Kosmos' für die Leinwand hier rundum gelungen. Das liegt an der episodenhaften Erzählweise der Bücher, aber auch an Regisseur Brad Silberling. Der hat ein Talent dafür, unaufgeregt, aber packend Tragik, Humor, Spannung und überbordende Fantasie zusammenzuschnüren. Vor faszinierend unwirklichen Kulissen, die im Computer entstanden sind und perfekt zur leicht morbiden Atmosphäre passen, lässt Silberling seinem Ensemble Zeit, um den Charakteren Leben einzuhauchen. Routiniers wie Meryl Streep oder Billy Connolly nutzen das zu furiosen Auftritten. <BR><BR>Ausgerechnet Zappelkönig Jim Carrey hält sich als skurriler Bösewicht Olaf zurück, was viel wirkungsvoller ist als jeder Veitstanz. Die banale Boshaftigkeit dieser gescheiterten Existenz ist trotz aller Lächerlichkeit Furcht einflößend, und Carrey legt sie mit feinen Nuancen frei. Eine virtuose Vorstellung. </P><P>(In München: Mathäser, Marmorhaus, Maxx, Autokino, Cinema und Museum i. O., Kino Solln.<BR><BR>"Lemony Snicket"<BR>mit Jim Carrey, Timothy Spall<BR>Regie: Brad Silberling<BR>Hervorragend </P><P> </P>

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