Kino und Apfelkuchen

- Argentinien in den frühen Siebzigern: Die junge Taxifahrerin Soledad (Vera Fogwill) hat die Nase voll von Buenos Aires und flüchtet nach Patagonien. Hier, in dem abgelegenen Dörfchen Rio Pico, ticken nicht nur die Uhren anders, die Einwohner sprechen vor allem anders. Und Soledad erfährt auch bald, warum: Es gibt kein Radio oder Fernsehen, und so ist die einzige Zerstreuung das örtliche Kino. Sehnsüchtig wird die wöchentliche Lieferung eines neuen Films erwartet. Doch leider sind die Filmkopien meistens schon so beschädigt, dass die Filme nur in einer verstümmelten Variante gezeigt werden können, in der alle Filmszenen vertauscht sind.

<P>Das tut der Filmleidenschaft der Dorfbevölkerung jedoch keinen Abbruch und hat kräftig auf deren Sozialverhalten abgefärbt: Vor allem die Jüngeren reden nur noch in zusammenhanglosen Sätzen. Auf Soledads Versuche, Konversation zu pflegen, antworten die Einheimischen mit kryptischen Sentenzen wie "Unsere Kinder sollten nicht unter der Trennung leiden" oder "Meine Bücher sind keine Historienromane". Am schlimmsten hat es den örtlichen Filmkritiker Pedro (Fabian Vena) erwischt, und ausgerechnet in diesen weltfremden Lebenskünstler verliebt sich Soledad.<BR><BR>Filme aus Argentinien verirren sich selten auf unsere Leinwände. Auch "Das letzte Kino der Welt" wäre beinahe unter Ausschluss der hiesigen Öffentlichkeit in der Versenkung verschwunden, hätte sich nicht der Kölner Cineast Rainer Flaskamp dieser reizenden Komödie angenommen und sie im Eigenvertrieb in bundesdeutsche Programmkinos gewuchtet. So ist glücklicherweise die charmante Hommage an die Liebe zum Kino nun auch hierzulande zu sehen. <BR><BR>Regisseur Alejandro Agresti zeigt in seinem liebenswerten Streifen mit absurder Komik den maroden Zustand seines Landes, der eigentlich während der Militärdiktatur wenig Anlass zum Lachen bot. Aber Agrestis Bilder sind so voller Schönheit und Romantik und seine Charaktere so voller Lebensfreude, dass die harten Zeiten wie poetisch überzuckert erscheinen, selbst wenn am Ende die Realität auch in Rio Pico einbricht. <BR><BR>Agresti hält kunstvoll die Balance zwischen skurriler Liebesgeschichte, modernem Märchen und fantasievoller Zeitkritik, bis Pedro schließlich erkennt: "Das Geheimnis liegt in einem guten Apfelkuchen." (In München: Maxim, Aircraft.) <BR><BR>"Das letzte Kino der Welt"<BR>mit Vera Fogwill, Fabian Vena<BR>Regie: Alejandro Agresti<BR>Sehenswert </P><P> </P>

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