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"Brighton Rock": Schuld und Sühne

Der Thriller „Brighton Rock“ ist die packende Verfilmung von Graham Greenes Roman „Am Abgrund des Lebens“. Hier finden Sie die Filmkritik und den Kinotrailer:

Lust auf was Süßes? „Brighton Rock“, so heißen die bunt geringelten Zuckerstangen, die am Pier des südenglischen Seebades verkauft werden. Dass man die kleinen Kalorienbomben auch in tödliche Waffen verwandeln kann, beweist die Hauptfigur dieses packenden Thrillers: Pinkie, ein gewalttätiger, gefühlskalter Gangster, der 1964 in Brightons Unterwelt ganz nach oben will und zu diesem Zweck einen Rivalen meuchelt. Dummerweise besitzt die kuhäugige Kellnerin Rose ein Schnappschuss-Beweisfoto, das Pinkie an den Galgen liefern könnte. Um Rose zum Schweigen zu bringen, macht er sich erst an sie ran und ihr dann einen Heiratsantrag. Die verliebte junge Frau, die ihrem trostlosen Dasein an der Seite ihres prügelnden Vaters entfliehen möchte, gibt sich dem zynischen Gauner hin. Doch ihre Chefin, die resolute Teestubenbesitzerin Ida, will nicht tatenlos zusehen, wie Rose ins Verderben rennt.

Schuld und Sühne, bedingungslose Liebe und skrupelloser Verrat: In seiner ersten Kino-Regiearbeit, der Verfilmung von Graham Greenes Romanklassiker „Am Abgrund des Lebens“, hat Drehbuchautor Rowan Joffe („The American“) die Krimihandlung von den späten Dreißiger- in die Sechzigerjahre verlegt, in die Zeit der wüsten Jugendrevolten und brutalen Bandenkriege im beschaulichen britischen Badeort Brighton. So spiegelt sich die innere Zerrissenheit der Figuren auch äußerlich in den gesellschaftlichen Umwälzungen. Mit seiner souveränen Inszenierung zeigt Joffe einen feinen Sinn für Stimmung und Stil: Er schafft eine konstant bedrohliche Atmosphäre und kombiniert sie mit edlen Filmnoir- Elementen. Kamera-Ass John Mathieson („Gladiator“) gießt das düstere Geschehen in perfekt ausgeleuchtete, beinahe expressionistische Cinemascope- Bilder.

Dank des erlesenen Ensembles gewinnen die Charaktere ähnlich scharfe Konturen wie ihre Schlagschatten. Die oscargekrönte Schauspiel-Königin Helen Mirren („The Queen“) liefert als hellsichtige Ida wie immer eine faszinierende Darstellung ab. „Control“-Star Sam Riley steht ihr in nichts nach: Er verleiht dem kaltblütigen Kleinganoven Pinkie eine verführerische Vitalität – und zeichnet ihn als eine monstermäßige Mischung aus dämonischem Dandy, einsamem Ekelpaket und coolem Charmeur. Die große Entdeckung des Films ist jedoch Andrea Riseborough („We Want Sex“) in ihrer ersten Kino- Hauptrolle: Wie subtil sie die schüchterne Serviererin Rose mit Verletzlichkeit und Urvertrauen ausstattet, wie sie die gnadenlosen Konsequenzen obsessiver Liebe körperlich spürbar macht, wie sie das naive Mauerblümchen schließlich über sich selbst hinauswachsen lässt – das ist schlichtweg sensationell.

Marco Schmidt

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