+
Alice Dwyer und Sabin Tambrea.

Ein Wechselbad der Gefühle

Ma Folie: Die Liebe als Horrorspiel

  • schließen

München - Regisseurin Andrina Mračnikar ruft mit ihrem kontrollierten Debüt „Ma folie“ nur pflichtmäßige Betroffenheit hervor.

Das nimmt alles kein glückliches Ende. Doch der Film „Ma folie“ hat auch kaum Geduld, was das Glück des Beginns betrifft: Ein Blickwechsel in einem Pariser Café, verliebte Sehnsucht, als Hanna (Alice Dwyer) wieder daheim in Wien ist – und dann steht Yann (Sabin Tambrea) vor ihrer Tür. Doch kaum zehn Minuten sind um, da wird offenbar, dass Yanns Liebe bedrohlich besitzergreifend ist. Da nehmen seine Video-Briefchen an Hanna eine eifersüchtige Wendung ins Horrorhafte.

Andrina Mračnikars mit mehreren Preisen ausgezeichnetes Debüt steigert das jedoch nicht nur in die erwartbare Richtung: Zunehmend verändert „Ma folie“ neben Hannas Alltag auch unseren Blick auf die Protagonistin, unser eigenes Vertrauen in sie. Dass Mračnikar eine Haneke-Schülerin ist, erkennt man unschwer. Sehr bewusst, kontrolliert ist ihre Inszenierung. Der Umgang mit den sinnlicheren Elementen des Mediums wie Farbe und Musik ist reserviert, das Drehbuch intelligent konstruiert und beeindruckend die Besetzung. Es gibt eine ähnliche manipulative Distanz zu den Figuren. Und den Irrglauben, Kunst sei umso wertvoller, je beklemmender sie darauf beharrt, dass immer alles ganz, ganz schlimm ist. Ein bleiernes Unwohlsein liegt nicht nur über der „Liebe“ von Hanna und Yann, sondern auch über Hannas Verhältnis zu Freunden, Kollegen und über ihrer sozialtherapeutischen Arbeit mit einem traumatisierten Flüchtlingsmädchen. Das nimmt einem aber letztlich das Gefühl, dass etwas Bewahrenswertes auf dem Spiel stünde. Man ist eher pflichtmäßig betroffen denn berührt. „Ma folie“ zitiert mehrfach aus Douglas Sirks Meisterwerk „The tarnished Angels“. Dieses als Lehrmeister hätte gezeigt, wie wahre Tragik aussieht.

„Ma folie“

mit Alice Dwyer, Sabin Tambrea Regie: Andrina Mračnikar Laufzeit: 99 Minuten

Sehenswert ++++

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie Michael Haneke mögen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Ich wünsche dir ein schönes Leben“: Ounie Lecomtes Porträt berührt spät
Eine Frau will mehr über die leibliche Mutter ihres Adoptivsohnes erfahren – davon handelt der Kinofilm „Ich wünsche dir ein schönes Leben“. Hier lesen Sie unsere Kritik.
„Ich wünsche dir ein schönes Leben“: Ounie Lecomtes Porträt berührt spät
„Maria Mafiosi“: Eine Hochschwangere auf Verbrecherjagd
Polizistin Maria erwartet mit ihrem Geliebten Rocco, dessen Familie in kriminelle Machenschaften verstrickt ist, ein Kind. Dann häufen sich die Leichen.
„Maria Mafiosi“: Eine Hochschwangere auf Verbrecherjagd
Morden um zu überleben: „Das Belko-Experiment“
Am Ende kämpft jeder für sich selbst – das zeigt Greg McLeans neuer Horrorfilm „Das Belko-Experiment“. Menschen müssen, um selbst zu überleben, Kollegen töten.
Morden um zu überleben: „Das Belko-Experiment“
Eine fabelhafte Kopie: „Der wunderbare Garten der Bella Brown“
„Der wunderbare Garten der Bella Brown“ ist zwar nett, erinnert jedoch stark an „Die fabelhafte Welt der Amélie“. Lesen Sie hier unsere Kritik.
Eine fabelhafte Kopie: „Der wunderbare Garten der Bella Brown“

Kommentare