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Vor atemberaubender Kulisse im Death Valley, um den Tod ihres gemeinsamen Sohnes vielleicht doch noch zu begreifen:Gérard (Gérard Depardieu) und Isabelle (Isabelle Huppert).

Was von der Liebe übrigblieb

Trailer zu "Valley of Love" - Ein kleines Kinowunder

München - „Valley of Love“ ist dank der Hauptdarsteller Gérard Depardieu und Isabelle Huppert ein kleines Kinowunder: Aus trivialen Dialogen werden magische Momente.

Es gibt Filme, denen verfällt man wider besseres Wissen. So ähnlich wie bei Frauen oder Fußballvereinen. Dafür reichen oft nur wenige Szenen – und das richtige Personal. Bei „Valley of Love“ etwa genügt es, wenn Gérard Depardieu seine riesige Pranke auf die schmalen Schultern von Isabelle Huppert legt im hilflosen Bestreben, Kontakt zu der Frau aufzubauen, die ihn einmal geliebt hat. Dann realisiert er, dass seitdem zu viel Zeit vergangen ist: Hilflosigkeit bei ihm, bittersüßes Mitleid in ihrem Blick. Es tut weh zuzuschauen und doch kann man die Augen nicht abwenden.

Dabei ist Guillaume Nicloux’ Film genau genommen eher mittelgut, und es grenzt an ein Wunder, wie es Depardieu und Huppert hier gelingt, mit eher trivialen Dialogen magische Momente herzustellen. Als ehemaliges Paar, das sich gemeinsam auf eine aussichtslose Mission begibt, schultern die beiden den Film im Alleingang und tragen ihn würdig bis hin zum etwas grotesken Finale.

Die Grundidee von „Valley of Love“ ist einfach: Ein junger Mann begeht Selbstmord, schreibt aber den geschiedenen Eltern zuvor noch einen Brief mit der Aufforderung, im Death Valley in den USA ganz bestimmte Orte aufzusuchen. Die Eltern lassen sich darauf ein, erfüllen diesen letzten Wunsch in der Hoffnung, dem Tod des Sohnes einen Sinn zu verleihen. Nach 25 Jahren verbringen die beiden nun wieder Zeit miteinander: Die unüberbrückbare Distanz zwischen zwei Menschen, die sich früher einmal Halt gegeben haben im Leben, ist das eigentliche Thema des Films. Was weg ist, ist eben weg. Einerseits. Andererseits gibt es die Erinnerung. Blass, verschwommen, vage. Aber sie ist eben da. Sie macht einen Menschen letztlich aus.

Der Coup an der Besetzung ist selbstverständlich, dass Depardieu und Huppert schon einmal ein Kinopaar waren, vor 35 Jahren im mitreißenden „Loulou“. Wenn man den Film kennt, entfaltet „Valley of Love“ einen unwiderstehlichen Sog. Da erkennt man in den müden Zügen von Huppert das faszinierende Mädchen wieder, das dem Rüpelcharisma von Depardieu erliegt. Der war damals ein kraftstrotzender Rabauke. Grob, aber irgendwie auch charmant genug, um trotz seines Riesenzinkens die Frauen zu becircen. Inzwischen ist Depardieu, dessen Leben längst selbst eine Verfilmung verdienen würde, ein unfassbar dicker, müder Mann geworden – und stellt das auch furchtlos aus. Er, der heute meist nur noch desinteressiert sein Gesicht in die Kamera hält und dabei vermutlich an seine Weingüter und Restaurants denkt, zeigt noch einmal, was für eine Naturgewalt als Schauspieler er sein kann. Und Huppert, die ist ohnehin immer brillant. Man kann nicht anders als gebannt hinzusehen und Zeuge eines Kinowunders zu werden. Eines kleinen, aber immerhin.

„Valley of Love“

mit Isabelle Huppert

Regie: Guillaume Nicloux

Laufzeit: 91 Minuten

Sehenswert

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Ewige Jugend“ mochten. #

Zoran Gojic

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