Kino-Mekka

Filmfestival in Cannes: - Jetzt laufen sie wieder, über den roten Teppich, direkt neben dem hellen Strand der französischen Riviera. Eine chinesisch-amerikanische Koproduktion eröffnet heute das Filmfestival von Cannes: "My Blueberry Nights" ist der erste Film, den Wong Kar-wai in den USA mit Hollywood-Stars wie Natalie Portman, Rachel Weisz und Jude Law produziert hat. In den nächsten zwei Wochen wird sich das Weltkino um Cannes drehen, und diesmal noch ein wenig schneller als sonst. Denn 2007 wird das Festival 60 Jahre alt - Weltmeisterschaft, Messe und Party in einem: das Mekka des Kinos.

Eigentlich hätte es schon 1939 losgehen sollen, mit William Dieterles "Der Glöckner von Notre-Dame". Doch mit dem Eröffnungstag 1. September hatte man kein Glück: Der Zweite Weltkrieg brach aus.

Als dann 1946 tatsächlich die ersten Filmfestspiele veranstaltet wurden\- - wieder im September und zunächst zweijährlich - waren sie noch von Bedingungen der Nachkriegsjahre geprägt: Die Filme sollten eher für Weltflucht und Erbauung sorgen als für tiefere Erkenntnis, und auch sonst war Bescheidenheit angesagt. Zur Eröffnung lief ein Dokumentarfilm aus der Sowjetunion, der Film riss gleich mehrfach. Als auch der Strom noch ausfiel, glaubten manche an Sabotage, bis sich Ähnliches bei Hitchcocks "Notorious" wiederholte.

Wer 60 Jahre später die Croisette, die berühmte Strandpromenade, entlangschreitet, entdeckt nur noch Spurenelemente des einst verschlafenen Fischerdorfes. Die alten Häuser stehen noch, erst recht die berühmte Luxusherbergen Carlton, Martinez und Majestic. Doch sonst ist alles anders: Die erweiterten Straßen sind längst wieder zu klein für rund 200 000 Gäste. Meterhohe Filmplakate säumen den Palmenboulevard und verstellen allzu oft den Blick auf Schöneres.

Doch man muss nur ein paar Bilderstrecken der französischen Magazine ansehen, um sofort eingefangen zu werden vom Zauber der Vergangenheit: Catherine Deneuve, Jeanne Moreau, Marcello Mastroianni, Truffaut, Godard, Antonioni, Coppola, Scorsese, DePalma…, endlos würde die Liste werden, wollte man hier auch nur die Berühmtesten aufzählen. Cannes ist sowohl stolze Selbstfeier des französischen Kinos als auch europäisches Schaufenster Hollywoods und Heimat des Weltkinos: Die Iraner Kiarostami und Makhmalbaf wurden hier entdeckt oder der Koreaner Park Chan-wook. Dabei geht es immer um die besten Filme, nicht um politische Motive.

Neben Wong zeigen David Fincher, Alexandr Sokurow, Kim Ki-duk, Catherine Breillat, Quentin Tarantino, der Österreicher Ulrich Seidl und der Ungar Béla Tarr ihre Werke. Auch ein deutsches läuft im Wettbewerb: "Auf der anderen Seite" von Fatih Akin. Außer Konkurrenz wird Volker Schlöndoffs "Ulzhan" gezeigt, in Nebenreihen laufen drei weitere deutsche Filme.  

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