„The Avengers“: Comic-Spektakel mit Kult-Potenzial

In Marvels „Avengers“ kämpfen die Superhelden Iron Man, Captain America, Thor, der Hulk, Black Widow und Hawkeye Seite an Seite. Den Kinotrailer und die Filmkritik zum Comic-Spektakel der Superklasse, gibt es hier:

„Für die Fans!“ könnte der Schlachtruf von Marvels „Avengers“ lauten. Teamfähigkeit steht bei keinem von ihnen groß im Lebenslauf: Iron Man, Captain America, Thor, der Hulk, Black Widow und Hawkeye sind Einzelkämpfer. Aber in Agent Coulson haben sie einen geradezu nerdigen Bewunderer. Als sein Glaube an die Idole ihn selbst zu Heldentaten verleitet, rauft sich die Truppe zusammen.

Doch auch der ganze Film ist purer Fan-Service. „The Avengers“ ist Popkultur durch und durch. Was heißt, dass er freilich Produkt ist einer Film-Industrie, von Geld so geprägt wie von Geist. Mit Joss Whedon jedoch (Schöpfer der Fernseh-Kultserien „Buffy“ und „Firefly“) ist hier ein Mann am Werk, der zutiefst versteht, was Popkultur ist und wie sie funktioniert.

Er hat ein Gespür für die eigentliche Albernheit der Comic-Geschöpfe – dafür, dass hier erwachsene Menschen mit viel Vergnügen in absurden Kostümen Kinderfantasien nachspielen. Er weiß aber auch, wo die Groschenheft-Ikonen tatsächlich einen modernen Pantheon bilden, unserem kollektiven (Unter-)Bewusstsein eine Mythologie für das 21. Jahrhundert bieten.

Und Whedon bekommt – kein leichter Job – die völlig unterschiedlichen Stile und Tonlagen der einzelnen Stile in einen gemeinsamen Spandex-Dress. Was alles zusammenschweißt, ist nicht zuletzt die subversive Ironie des genialen Robert Downey Jr. „Shakespeare im Park“ nennt er das von Kenneth Branagh etablierte Nordgötter-Familiendrama um Thor – und sofort ist es geerdet.

Sind Sie ein Kino-Kenner? Die besten Filmzitate

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Obwohl die „Avengers“ mit „Iron Man“ 1&2, „Thor“ und „Captain America“ schon mehrere Stunden Exposition hinter sich haben, lässt Whedon sich Zeit für die Ein- und Zusammenführung der Figuren, versammelt sie erst einmal zum Kammerspiel, bevor es zum wirklich sensationellen Showdown in New York geht.

Ein bisschen ächzt und knirscht das manchmal, und mit Loki (pseudo-charismatisch: Tom Hiddleston) ist leider kein ebenbürtiger Gegenspieler geboten. Angesichts der Unmengen kanonischer Vor-Schriften jongliert Whedon dennoch beeindruckend virtuos und selbstbewusst mit seinen Aberdutzend Popkultur-Referenzrahmen. „Die Anspielung hab ich verstanden!“, freut sich der in den 1940ern verhaftete Captain America, als Nick Fury die fliegenden Affen aus „The Wizard of Oz“ zitiert – während der erdfremde Thor nur verständnislos schaut.

Und dass man seinem abgebrühten Publikum für den Preis eines Kinotickets schon ziemlich was bieten muss, thematisiert „Avengers“ auch selbst: Um zehn Dollar wettet der wieder aufgetaute Captain America, dass ihn nichts mehr beeindrucken kann. Und hält durch: Dass sich der Mega-Flugzeugträger von S.H.I.E.L.D. selbst als Fluggerät entpuppt – ja mei! Erst als der auch noch unsichtbar wird, rückt er mit dem Geld raus...

Rubriklistenbild: © AP Photo/Disney

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