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Eine neue Art von Blutsauger spielt „Twilight“-Star Robert Pattinson als Finanzinvestor Eric Packer.

"Cosmopolis": Der etwas andere Blutsauger

Berlin - 24 Stunden aus dem Leben eines jungen Milliardärs: In „Cosmopolis“ bringt David Cronenberg den Bestseller von Don DeLillos ins Kino - und „Twilight“-Star Robert Pattinson spielt eine neue Art von Blutsauger.

Er gleitet durch die Welt. Seine Stretch-Limousine ist gepanzert und schallisoliert, aber digital totalvernetzt. Es dringt nur hinein und heraus, was der Finanzinvestor Eric Packer (Robert Pattinson) zulässt. Wie in einer rollenden Taucherglocke durchquert er New York – weil er sich die Haare schneiden lassen will, obwohl durch einen Präsidentenbesuch, den Leichenzug eines sufistischen Rappers, Anti-Kapitalismusdemos und Attentatsdrohungen Ausnahmezustand herrscht. Seine Fahrt wird eine Art „Pilgrim’s Progress“ fürs 21. Jahrhundert: eine Begegnung mit seinen Analysten und Theoretikern, mit seiner ihm absurd unvertrauten Angetrauten und seinem Arzt – und schließlich mit seinem Todesengel.

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Regisseur David Cronenberg („The Fly“) war früher der König des Körperhorrors, aber zuletzt hat sich sein Fokus verschoben auf die Deformationen, die unter der Oberfläche bleiben. Spätestens mit „A Dangerous Method“ war er dann angekommen beim Zusammenhang von Sprache und Psyche. Es gibt seltsame Echos von Cronenbergs Meisterwerk „Videodrome“ in „Cosmopolis“. Aber es braucht diesmal kaum noch Blut, um vom „Neuen Fleisch“ zu erzählen, vom Zusammenhang von Körpern und Kapitalismus, vom Code des Geldes und des Todes.

Die Verfilmung von Don DeLillos Roman ist kongenial. Fast 1:1 dient ihm der schmale Band als Dialog-Drehbuch. Und er trifft, auch in seinen kühlen, entschlackten Bildern, genau den spröden, bewusst artifiziellen Ton. Dieses verbale Schlittschuhlaufen auf undurchdringlichen Oberflächen, eher Lyrik als Prosa, deren Tiefenbedeutung einem immer knapp entwischt, messerscharf zwischen profundem Genie und Selbstparodie balancierend. Eine Millimeterarbeit, welche die Synchronisation freilich nur bedingt wiedergeben kann.

Für Robert Pattinson, den aus der „Twilight“-Unsäglichkeit befreiten Ex-Edward, ist die Rolle des Eric Packer eine neue Art von Blutsauger. Und seine Besetzung ein idealer Coup. Schon in „Bel Ami“ hat er gezeigt, wie sehr ihm die Typen der glatten Fassade liegen, die einen im Unsichern lassen, ob sie Abgründe oder nur Leere dahinter verbergen. In „Cosmopolis“ kommen dazu Momente von aufblitzender Intelligenz und Verspieltheit, die – zusammen mit dem Mut, überhaupt so ein gewagtes, verstörendes Projekt anzupacken – Hoffnung machen auf ein spannendes Karriereleben nach den Untoten.

Don DeLillo hat „Cosmopolis“ 2003 veröffentlicht und die Handlung im April 2000 angesiedelt, vor dem 11. September 2001. Ein Versuch, in einer Art als Roman getarntem Essay den Geist einer Zeitenwende einzufangen. Das Verblüffende an Cronenbergs Film ist, wie aktuell seine prä-apokalyptische Stimmung wirkt. Da braut sich was zusammen in der Welt. Und irgendwann werden Panzer und Isolierungen dagegen nicht mehr helfen.

von Thomas Willmann

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