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Im Zentrum der US-Politik: Valerie (Naomi Watts) ist CIA-Agentin, ihr Mann Joe (Sean Penn) Diplomat.

Fair Game: Die Kraft der Lüge

Das Polit-Drama „Fair Game“ handelt vom Irak-Krieg und ist dennoch aktuell. Hier die Filmkritik und der Kinotrailer:

Sie sitzen mit Freunden beim Abendessen und müssen sich anhören, wie die all jene vermeintlichen Gründe für den Einmarsch in den Irak aus den Medien nachplappern. Valerie und Joe würden da so gerne widersprechen. Denn sie wissen es besser. Aber das hieße, Valeries strengst gehütete Tarnung aufgeben: Sie ist CIA-Agentin, kennt das dünne Rinnsal von Quellen, auf dem das ganze Lügengebäude ruht.

Doch Joe kann nicht ewig schweigen. Er ist US-Diplomat, hat in Niger selbst nach den Spuren des Uranerzes zum irakischen Bombenbau gesucht. Und schreibt im Juli 2003 in der „New York Times“, was er dort fand: nichts. Für das Bush-Regime ist das Paar damit „Fair Game“ – zum Abschuss freigegeben. Eine Woche später enttarnt ein rechter Kolumnist Valerie Plame, beendet damit ihre Karriere, gefährdet weltweit das Leben ihrer Informanten, bedroht ihre Ehe.

Mancher mag fragen: Was soll uns Mitteleuropäern – die wir’s schon immer besser wussten – jetzt noch dieses Nachtarocken? Und man mag mosern, dass mal wieder alles attraktiver, heroischer, eindeutiger sein muss als in der dokumentierten Realität. Doch zum einen beherrscht Regisseur Doug Liman („Die Bourne Identität“) einfach sein Handwerk: Wer auf Polit-Dramen steht – auf atemlose Fahrten durch die Korridore der Macht, bedrohliche Männer in Anzügen, Treffen, an denen das Schicksal der Welt hängt – kommt auf seine Kosten. Zudem spielen Naomi Watts und Sean Penn mit Verve und Nuancen. Und es geht in „Fair Game“ im Kern um mehr als den konkreten Fall: Es geht um die Korrosionskraft der Lüge – die, einmal in der Welt, bald alles zersetzt und vergiftet.

Rechtsstaatlichkeit lässt sich nicht nach Bedarf mal eben außer Kraft setzen, sie ist eine Alles-oder-Nichts-Entscheidung. Die Folgen des Willkür-Krieges betreffen noch immer die ganze Welt. Und zumindest die US-Gesellschaft ist heute mehr als zuvor geprägt von einem vermeintlichen „Patriotismus“, der sich seine Wahrheiten nach Belieben zusammenfantasiert und zur Not auch die Realität zum Landesverräter erklärt. Insofern: Auch wenn sich das Rad der Geschichte weitergedreht hat – dieser Film hat noch Aktualität.

Thomas Willmann

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