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Clive Owen

Zum Kinostart von „Intruders“: Interview mit Clive Owen

München - Lange Zeit wurde er als neuer James Bond gehandelt, regelmäßig taucht er in der Liste der Männer mit dem größten Sexappeal auf: Seit seiner Titelrolle in „King Arthur“ hat der Brite Clive Owen in Hollywood einen rasanten Aufstieg hingelegt.

Er drehte Blockbuster wie „Sin City“, „Children of Men“ oder „Inside Man“ und gewann für „Hautnah“ einen Golden Globe. In dem Thriller „Intruders“ (Kinostart an diesem Donnerstag) spielt er einen Familienvater, der durch die Albträume seiner Tochter mit seinen schlimmsten Erinnerungen konfrontiert wird. Nach der Weltpremiere des Films beim Festival von San Sebastián sprachen wir mit dem 47-jährigen Star.

Wie lebt es sich so als Sexsymbol? Denken Sie manchmal bei der Drehbuch-Lektüre: „Ist das nicht ein bisschen zu viel Testosteron?“

Nein. Über den Hormongehalt einer Rolle habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. (Lacht.) Ich überlege mir auch nicht, was die Leute wohl denken mögen. Ich plane grundsätzlich nichts, sondern entscheide einfach instinktiv, ob ich das Drehbuch interessant finde.

Der gebrochene Held ist Ihr Markenzeichen geworden. Was reizt Sie so an diesem Rollentypus?

Mich interessieren vielschichtige Figuren, die einerseits bestimmte Stärken haben, aber andererseits einen Haufen Probleme mit sich herumschleppen. Jeder Mensch ist doch eine Kombination aus guten und schlechten Eigenschaften. Wir mögen unser Bestes versuchen, aber wir alle machen Fehler – und sind manchmal erbärmliche Angsthasen!

Wovor haben Sie am meisten Angst?

Davor, dass meinen beiden Töchtern etwas passieren könnte. Ich denke, das geht allen Eltern so: Das Wohlergehen deiner Kinder ist deine größte Sorge. Es ist bestimmt kein Zufall, dass ich in den vergangenen Jahren drei Filme gedreht habe, in denen ich einen fürsorglichen Vater spiele: „The Boys Are Back“, „Trust“ und nun „Intruders“. Seitdem ich Kinder habe, treffen Filme zum Thema Familie bei mir einen besonderen Nerv.

Aber begeben Sie sich nicht auch in eine sehr verwundbare Position, wenn Sie als besorgter Vater vor der Kamera einen besorgten Vater verkörpern?

Mag sein. Aber ich glaube, es ist schwer, solche Rollen glaubhaft zu spielen, wenn man selbst gar keinen Nachwuchs hat. Bei „Intruders“ hat es mir sehr geholfen, dass ich auf meine eigenen Vatergefühle zurückgreifen und mich stets fragen konnte, wie ich selbst in der entsprechenden Situation reagieren würde. Dabei habe ich festgestellt, dass wir alle offenbar unsere Ängste auf unsere Kinder übertragen. Das haben meine Eltern auch schon so gemacht.

Wovor haben Sie sich denn als Bub am meisten gefürchtet?

Im Prinzip war ich kein besonders ängstliches Kind. Allerdings kann ich mich noch daran erinnern, dass ich als kleiner Junge Albträume viel intensiver erlebt habe als später – und dass sie mich oft noch den ganzen Tag verfolgt haben. Das beobachte ich jetzt auch wieder an meinen beiden Töchtern: Ein Mädchen, das aus einem schrecklichen Traum erwacht, ist eine sehr eindringliche Erfahrung.

Sind Sie ein strenger Vater? Oder lassen Sie Ihren Töchtern viele Freiheiten?

Das ist eine schwierige Frage für alle Eltern: Inwieweit soll man seine Kinder an der langen Leine lassen? Wie viel soll man ihnen über die raue Wirklichkeit verraten? Welche Dinge sollte man lieber von ihnen fernhalten? Einerseits mache ich mir ständig Sorgen um meine Kinder, andererseits schadet übertriebene Fürsorglichkeit ihrer Entwicklung. Ich finde es wirklich kompliziert, das auszubalancieren.

Was würden Sie denn am liebsten vor Ihren Kindern verbergen?

Die meisten meiner Filme! (Lacht.)

Daniel Craig hat angekündigt, er wolle nur noch einen weiteren James-Bond-Film drehen. Würde es Sie reizen, die Rolle zu übernehmen? Immerhin waren Sie ja, wie man hört, damals auch in der engeren Auswahl…

Ach, das waren bloß Gerüchte! Jemand hat meinen Namen ins Gespräch gebracht, und daraus haben die Medien einen Hype kreiert. Aber von offizieller Seite ist nie etwas Konkretes zu mir vorgedrungen. Und ich darf an dieser Stelle betonen: Ich war und bin sehr glücklich mit den Rollen, die ich spielen darf!

Das Gespräch führte Marco Schmidt.

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