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Der kleine Prinz und der Fuchs - Szene aus dem neuen Film.

Trailer zum Kinostart

Der "Kleine Prinz": Zwischen Magie und Mist

Die Literaturverfilmung des „Kleinen Prinzen“ misstraut der Vorlage und experimentiert mit einer Übersetzung in die heutige Zeit. Das gelingt aber nur teilweise.

Die großen Weisheiten sind immer einfach, und einfache Sachen sind Erwachsenen nicht kompliziert genug, um an sie glauben zu können. Antoine de Saint-Exupéry wusste das. Sein erfolgreichstes Buch „Der kleine Prinz“ handelt genau davon. Es hat eine bittersüße Ironie, dass die aufwändige Verfilmung des Buchs nun der ergreifenden Schlichtheit der Geschichte misstraut. Statt sie zu erzählen, wird sie in eine moderne Rahmenhandlung eingebettet, die gewissermaßen erklären soll, worum es im „Kleinen Prinzen“ geht. Anfangs funktioniert das ganz gut. In technisch atemberaubender Computeranimation dreht sich alles um ein Mädchen, das von seiner Mutter auf Perfektion gedrillt wird. Das ist ziemlich bissig geschildert und kontrastiert wunderbar mit dem Märchen vom Prinzen, auf das die kleine Streberin zufällig stößt.

Regisseur Mark Osborne macht aus diesen Szenen pure Magie, weil er auf einen ebenso verblüffenden wie wirksamen Kniff zurückgreift: Die eingeschobenen Episoden aus dem Buch sind mit altmodischer Stop-Motion-Tricktechnik umgesetzt und beeindrucken viel nachhaltiger als die digitalen Bilderstürme. Soweit könnte man sich arrangieren, aber im letzten Drittel bricht dann doch der Hollywood-Wahn durch. Eine abstruse Rettungsmission für den Prinzen wird erfunden, Actionszenen inklusive. Das Mädchen wird eine klein gewachsene Lara Croft, und am Ende feiert man den glücklichen Ausgang des Abenteuers. Das Ende ist also ein rechter Mist. Bis dahin hatte der Film Charme, aber es bleibt der schale Nachgeschmack. Der kleine Prinz würde wohl sagen: „So sind die großen Leute eben.“

„Der kleine Prinz“

von Mark Osborne

Laufzeit: 105 Minuten

Der Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Oben“ mochten.

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