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Macho-Papa Robert De Niro und Schwiegersohn Ben Stiller.

"Meine Frau, unsere Kinder und ich": Auf Augenhöhe

Im dritten Teil der Familienkomödie "Meine Frau, unsere Kinder und ich" stehen sich Macho-Papa Robert De Niro und Schwiegersohn Ben Stiller auf Augenhöhe gegenüber. Der Trailer und die Filmkritik:

Als Ben Stiller vor zehn Jahren erstmals mit Robert De Niro gearbeitet hatte, gab er hinterher zu, die Angst vor der Legende De Niro in „Meine Frau, ihr Vater und ich“ wäre nicht gespielt gewesen. Und womöglich hat genau das den Film damals so komisch gemacht. Hollywood-Legende De Niro, Inbegriff des latent gewalttätigen Patriarchen, und der zappelige Komiker Stiller lieferten sich ein ungleiches Duell, genau wie ihre Figuren im Film. Schon die Fortsetzung hatte viel vom Charme des Originals eingebüßt, weil De Niro sein Image zu oft persifliert hatte – die Komik stellt sich nur ein, solange man ihm den harten Hund wirklich abkauft und nicht schon ahnt, dass er gar nicht so schlimm ist, wie er tut.

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Beim dritten Teil hat sich die gefährliche Aura De Niros endgültig verflüchtigt, er gibt nur noch den halsstarrigen Rentner. Stiller hingegen ist längst ein etablierter Star und tritt dementsprechend souverän auf. Also hat man versucht, dieser Konstellation im Film gerecht zu werden, was streckenweise gut funktioniert. Nach einem Jahrzehnt stehen sich Macho-Papa und Schwiegersohn nunmehr auf Augenhöhe gegenüber. Das geht so weit, dass der einst verachtete Schwiegersohn sogar dem Familienclan vorstehen soll und sich auf einmal so eigenwillig gebärdet wie sonst nur der Schwiegervater. Das hat Witz, aber dann folgt sattsam Bekanntes: Missverständnisse, die sich zu einer Beinahe-Krise auswachsen, dann aber doch zur Zufriedenheit aller gelöst werden.

Regisseur Paul Weitz versucht das, mit Zoten, Sexwitzen und einer Prügelei zwischen De Niro und Stiller aufzupeppen. Groteske Verwicklungen und peinliche Situationen gibt es noch immer, aber sie ergeben sich meist nicht zwingend, sondern passieren einfach so. Lachen kann man trotzdem oft, dafür sorgen nicht zuletzt Dustin Hoffman und Barbra Streisand, die ihren schrillen Auftritt als Stillers Eltern genüsslich zelebrieren. Verschenkt dagegen ist der an sich sehr nette Plan, De Niros alten Weggefährten Harvey Keitel einzubinden. Die gemeinsame Szene der beiden offenbart das Dilemma anschaulich: Man hat exzellentes Personal, weiß aber nicht recht, was man damit anfängt.

Es macht dennoch durchaus Spaß zuzusehen, aber der Film rauscht merkwürdig spurlos an einem vorüber. Das liegt auch daran, dass – wie bei einer TV-Sitcom – viele Gags auf den vorherigen beiden Filme aufbauen. Nicht unbedingt etwas für Quereinsteiger.

Zoran Gojic

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