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Brooke (Greta Gerwig, Mitte) ist immer im Mittelpunkt – doch in Wahrheit eine tragische Figur.

Mehr Ideal als Wirklichkeit

Kinostart: "Mistress America" eine tragische Figur

Ein Leben wie ein Steinbruch: Nach „Greenberg“ und „Frances Ha“ porträtiert Noah Baumbach in „Mistress America“ erneut eine junge, ziellose Frau des 21. Jahrhunderts.

Brookes Leben ist wie ein Steinbruch. Während sie daran herummeißelt (und immer mal wieder etwas sprengt), bedienen andere sich an dem abfallenden Material, um daraus Solides zu bauen. Brooke (wie immer wunderbar: Greta Gerwig) ist die zukünftige Stiefschwester des College-Erstsemesters Tracy (Lola Kirke). Neu und allein in New York, vertraut sie sich Brooke an – zunächst schwer beeindruckt: Brooke scheint all die coolen Leute und Orte zu kennen, sprudelt über vor Weisheiten, Witz und Plänen. Gerade will sie ein Restaurant eröffnen, das Geld möchte sie sich von ihrem Ex-Freund Dylan holen – dessen jetzige Frau angeblich einst nicht nur ihn, sondern auch Brookes Geschäftsideen klaute. Spätestens aber als Tracy mit Brooke und zwei Kommilitonen tatsächlich in Dylans Haus einfällt, wird klar: Das Träumen ist deutlich mehr Brookes Stärke als die Verwirklichung.

Mit Brooke komplettieren Gerwig und Noah Baumbach ein Triptychon von Porträts junger, zielloser Frauen anfang des 21. Jahrhunderts. Nach Florence aus „Greenberg“ und „Frances Ha“ ist Brooke nun aber mehr Verkörperung eines Ideals denn Person: Sie ist eine amerikanische Muse, ist der Geist der ständig unfertigen Hoffnung, des Traums von Heimat und Rastlosigkeit zugleich. Waren „Frances Ha“ und Baumbachs „While we’re young“ hinreißend präzise Spiegel einer Generation, lebt „Mistress America“ nun weniger vom Wiedererkennungs-Effekt, ist distanzierter zu seinen Figuren.

Doch obwohl Baumbach sich der farcehaften Stakkato-Rhythmen von Boulevard- und Screwball-Komödien bedient: Brooke ist wohl seine tragischste Figur. Selbst Tracy kann als angehende Schriftstellerin nicht widerstehen und nutzt sie als Heldin ihrer ersten Kurzgeschichte. Ist das Kunstfreiheit – oder Verrat? Oder anders: Wie lange kann man davon leben, mit seinem hoffnungsvollen Scheitern den anderen als Inspiration zu dienen?

„Mistress America“

mit Greta Gerwig

Regie: Noah Baumbach

Laufzeit:84 Minuten

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Greenberg“ mochten.

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