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Im Schmerz gefangen: Colin Firth spielt den Literaturprofessor George Falconer.

„A Single Man“: Von erlesener Eleganz

Von der Kleiderkollektion zum Kinofilm – das ist kein Katzensprung. Doch Modeschöpfer Tom Ford hat diesen Wechsel mit "A Single Man" bravourös hinbekommen.

Seine Leinwand-Adaption von Christopher Isherwoods Roman „Der Einzelgänger“ ist ein beinahe makelloses Regiedebüt, erzählt in Bildern von erlesener Eleganz.

Die Handlung spielt 1962 in Los Angeles und kreist um den Literaturprofessor George Falconer (Colin Firth), der im Schmerz gefangen ist: Seit dem Unfalltod seines langjährigen Lebensgefährten lebt er nur noch in der Erinnerung an die gemeinsame Vergangenheit und findet keinen Bezug zur Gegenwart – geschweige denn Hoffnung für die Zukunft. Nicht einmal seine beste Freundin Charley (Julianne Moore) kann ihm mehr Trost spenden. Da beschließt er, seinem irdischen Dasein ein Ende zu setzen: Am Abend des 30. November will er endlich Frieden finden. So sieht es zumindest sein akribisch ausgearbeiteter Plan vor. Doch dann kommt alles ganz anders. Auch ganz anders, als Sie jetzt denken.

Der großartige Colin Firth, der in den vergangenen Jahren vorwiegend auf säuerliche, leicht vertrottelte Weicheier abonniert war, geht in der Titelrolle auf, als hätte Tom Ford sie für ihn maßgeschneidert: Er verleiht dem peniblen Professor die nötige Noblesse und lässt uns die brodelnden Emotionen unter der Oberfläche des abgeklärten Ästheten spüren. Was sich in seinem Gesicht abspielt, als er vom Tod des Geliebten erfährt, ist schlichtweg sensationell. Zur Belohnung gab es dafür eine Oscar-Nominierung und den Darstellerpreis in Venedig. Ebenso brillant: Julianne Moore als Ex-Liebhaberin, die ihre Einsamkeit mit Make-up, Alkohol und verzweifelter Exzentrik übertüncht. Als Co-Autor und Regisseur verfügt Tom Ford souverän über sämtliche filmischen Mittel. Er arbeitet etwa mit intelligenten Rückblenden, außergewöhnlichen Kameraperspektiven, stimmigen Zeitlupenaufnahmen und einer detaillierten Farbdramaturgie: Solange Falconer die Welt durch den Grauschleier der Trauer sieht, sind die Bilder farbentsättigt und in fahles Licht getaucht; sobald ein Funken neuer Lebensfreude ins Spiel kommt, werden die Farben plötzlich satter, bunter, kräftiger.

Mit dieser Chronik eines angekündigten Todes beweist Ford eindrucksvoll, dass Stilwille und Substanz einander nicht ausschließen. Denn die atemberaubende Ästhetik verkommt hier nie zum Selbstzweck, sondern dient dazu, existenzielle Themen anzuschneiden: vom Umgang der Gesellschaft mit Homosexualität bis hin zum Umgang des Einzelnen mit Verlust, Kummer und Tod. So gelingt Ford ein bittersüßes, bewegendes, in berauschenden Bildern schwelgendes Melodram über die Schönheit des Lebens und die Unsterblichkeit der Liebe.

von Marco Schmidt

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