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Volle Fahrt in Richtung Chaos: Peter (Robert Downey Jr., li.) und Ethan (Zach Galifianakis) rasen quer durch die USA.

Stichtag: Spaß mit zwei Spinnern

In der Komödie „Stichtag“ kracht das ungleiche Duo Robert Downey Jr. und Zach Galifianakis aufeinander. Ob sich der Kinobesuch lohnt, lesen Sie in unserer Filmkritik.

Die Idee ist so alt wie das Erzählen von Geschichten: Schon vor über 4000 Jahren ließ ein unbekannter Autor im Epos von Gilgamesch zwei gegensätzliche Protagonisten aufeinander treffen – der Läuterung wegen. In „Stichtag“ ist es Robert Downey Jr., der als ansatzweise dissozialer Unsympath Peter von einem entfesselten Wilden zur Besinnung gebracht wird. Die Ausgangslage ist denkbar einfach: der zynische Ehrgeizling Peter fährt mit dem kiffenden Sonderling Ethan (Zach Galifianakis völlig entfesselt) gemeinsam durch das Land.

Nun muss man die Filme von Regisseur Todd Phillips kulturhistorisch nicht unbedingt auf eine Ebene mit dem Gilgamesch-Epos heben, aber die atemberaubende Rücksichtslosigkeit mit der er seine Charaktere in den Wahnsinn und zurück jagt, hat archaische Qualität. Unerschrocken zeigt Phillips Dinge, die man so noch nicht gesehen hat. Zwar werden in US-Komödien schon seit einiger Zeit lustvoll und systematisch Tabus gebrochen, um das junge Zielpublikum zu erreichen. Phillips aber ist dabei origineller und lustiger als seine Kollegen, weil er trotz anarchistischen Gebarens die klassischen Gesetze der Komödie verfolgt. Alle haarsträubenden Situationen und Entgleisungen sind sorgfältig vorbereitet und die Konflikte, in die sein ungleiches Duo schlittert, erklären sich schlüssig aus den Charakteren: Dass der kontrollierte Peter angesichts seines planlosen Reisegefährten die Fassung verliert ist nachvollziehbar. Peter muss zur Geburt seines ersten Kindes nach Hause – und nimmt dabei keine Gefangenen. Soll heißen: Er schlägt schon mal Kinder, bespuckt Hunde oder prügelt sich mit Rollstuhlfahrern (zur Beruhigung: er verliert). Der vermeintlich irre Ethan erscheint im Laufe des Films als wesentlich zurechenbarer.

Dass der Zuschauer das hinnimmt und mit ungläubigem Interesse verfolgt, liegt nicht zuletzt an den Hauptdarstellern, die sich wunderbar ergänzen und auch bei überhöhter Drehzahl in der Spur bleiben. Man hat Spaß mit diesen zwei Spinnern – fast gegen den eigenen Willen. Und das muss einem Film erst mal gelingen.

Zoran Gojic

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