Das Kino-Traumpaar

- "Ich will mit Uma Thurman noch viele Filme machen." Quentin Tarantino und Uma Thurman - wer die beiden, den einmal mehr "heißesten" Regisseur von Hollywood und die Hauptdarstellerin seines neuesten Films, bei der Europapremiere in Berlin auf dem roten Teppich sah, dem kamen einige Vergleiche in den Sinn: Jean-Luc Godard und Anna Karina, Orson Welles und Rita Hayworth, Roberto Rossellini und Ingrid Bergman - Traumpaare, die das Kino bereichert haben.

<P>Auch Tarantino spricht von Uma Thurman als von seiner Muse, seinem Alter Ego; im Nachspann von "Kill Bill", dem nach "Pulp Fiction" zweiten Film, den Thurman mit Tarantino dreht, wird der Charakter der von der 33-jährigen Darstellerin gespielten Hauptfigur als "created by Q and U" bezeichnet. </P><P>Noch ein weiteres Traumpaar fällt einem schnell ein: Josef von Sternberg und Marlene Dietrich. Denn ähnlich wie Sternberg in den 30ern benutzt auch Tarantino seinen Star für sein Spiel mit Zuschauern und der Filmgeschichte. Denn "Kill Bill" ist Hommage, Zitatenwirbel und Genre-Analyse zugleich. Dem scharfen Blick des Regisseurs unterworfen ist diesmal vor allem Japan: Mode und Musik, Fetische und Tradition, vor allem das japanische Gangsterkino der 60er und 70er, und klassische Samurai-Filme werden ausgeschlachtet, daneben sind Verweise auf Kurosawa und Ozu zu entdecken. Freilich besteht Tarantinos Japan bei aller Differenziertheit in erster Linie und ganz gewollt aus Oberfläche: Yakuza, Samurais, Schulmädchen in Uniform, Manga und Kirschblütenkitsch - und ist damit ähnlich wunderbar klischeelastig wie etwa das Russland in Sternbergs "Scarlett Empress". </P><P>Elf Jahre ist es her, da eroberte Tarantino bereits mit seinem Debüt "Reservoir Dogs", einem Gangsterfilm, der viele Merkmale eines Independent-Movies trug, die Filmwelt. Mit "Pulp Fiction" siegte er 1994 im Kinomekka von Cannes. Daneben schrieb er mit den Drehbüchern zu "Natural Born Killers" (1994; Regie: Oliver Stone), "True Romance" (1995; Regie: Tony Scott) und "From Dusk Till Dawn" (1996; Regie: Robert Rodriguez) die Scripts für drei der einflussreichsten Filme der 90er-Jahre. Mit "Jackie Brown" wurde er 1998 auch als Regisseur erwachsen - eine weitere jener "typisch amerikanischen" Tellerwäscherkarrieren schien vollendet, aus dem Jungen vom Videoshop, der aus kleinen Verhältnissen stammend von nichts etwas wusste, von Film aber alles, war ein Star geworden. Die internationale "Tarantinomania" erreichte ihren Höhepunkt.</P><P>Dann kam die Krise. Plötzlich wurde es still um Tarantino. Man hörte gleich im Dutzend von gescheiterten Projekten. Von Drogen wurde geraunt, davon, der Regisseur habe "nichts mehr zu erzählen". Von wegen: Er hatte seinen Film nur wegen der Schwangerschaft seiner Wunschdarstellerin um zwei Jahre verzögert. Die Produktion dauerte weitere zwei Jahre. Mit "Kill Bill" kommt Tarantino nun eindrucksvoll zurück. Und er macht keine Konzessionen: Ursprünglich als e i n Film angelegt, wurde "Kill Bill" wegen Überlänge zweigeteilt. "Volume 2" soll im Februar ins Kino kommen. Die Überleitung und somit das Ende des ersten Teils bildet nun ein klassischer "Cliffhanger"; die Story ist also einstweilen keineswegs fertig. Trotzdem hat sich Tarantino nicht irritieren lassen: "Das Schwierigste war immer, den Film wirklich zu machen, den ich im Kopf hatte."</P><P>Und beim Publikum kommt der Film an. In den ersten fünf Tagen hat "Kill Bill" in den USA schon über 30 Millionen Dollar eingespielt. Aber auch das gehört zu einer guten Legende: Katharsis, Eingriff der Götter und schließlicher Triumph - wie schon in der "Poetik" des Aristoteles, von der das gute Hollywood nur einen Fingerbreit entfernt ist.<BR></P>

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