Klänge des Alltags

- Musikalisch bietet Kuba mehr als Salsa und Son. Nämlich Hard Rock, HipHop, Blues oder Rock'n' Roll. Das beweist Benito Zambrana in "Havanna Blues" bereits in den ersten Minuten. Da folgt die Kamera den beiden Hauptfiguren Ruy (Alberto Yoel) und Tito (Roberto Sanmartin), wie sie in ihrem 52er-Chevrolet-Cabrio auf den Straßen Kubas von einem Hilfsjob zum nächsten kurven und vom großen Durchbruch als Musiker träumen.

Und ohne die jeweils passenden Rhythmen funktioniert bei Ruy, Tito und ihren Bandkollegen gar nichts. Sehr zum Leidwesen von Titos Frau Caridad etwa, die alleine für den Lebensunterhalt der vierköpfigen Familie aufkommen, ihr Studium abbrechen und selbstgefertigte Ketten verkaufen muss, nur damit der Gatte die Tage mit seinen Freunden beim Musizieren verbringen kann. Doch der Durchbruch der Band scheint zum Greifen nahe, als ihr bei Ruys Oma im Badezimmer aufgenommenes Demoband von ein paar spanischen Produzenten gelobt wird.

Vordergründig dreht sich in "Havanna Blues" alles um Musik und um die Erfüllung der Träume. Dabei geht der Film auch auf die privaten Konflikte ein. Aus den im ersten Drittel des Spielfilms nur angedeuteten Schwierigkeiten entspinnt sich der eigentliche Haupthandlungsstrang: das alltägliche Leben junger Menschen, die sich auch durch die größten politischen Repressalien und infrastrukturellen Stolpersteine nicht von ihrem Ziel abbringen lassen wollen.

Zambrano findet für diese Themen einen passenden Rahmen, mal witzig, leicht, mal eher nachdenklich. Seiner beschwingten Inszenierung, der klaren Bildersprache und natürlich dem facettenreichen Soundtrack ist es zu verdanken, dass aus "Havanna Blues" kein bleischweres Sozialdrama wurde, sondern ein heiter-melancholischer Blick auf die Musikszene, die trotz Fidel blüht.

"Havanna Blues"

mit Alberto Yoel,

Roberto Sanmartin

Regie: Benito Zambrana

Sehenswertt

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