Der Klang von Liebe und Gefühl

- Hip Hop ist nicht unbedingt die Musik, die man gemeinhin mit einer romantischen Komödie in Verbindung bringen würde. In den Texten geht es meist um Gewalt, um Drogen, um Gettoleben und ein allgemeines Gefühl, vom Rest der Welt ausgegrenzt und nicht verstanden zu werden. Doch Regisseur Rick Famuyiwa gelingt es in seiner liebenswerten Love Story "Brown Sugar", diesen musikalischen Stil aus einer ganz anderen Perspektive zu zeigen.

<P>Statt dem Sound der Straße verkörpert Hip Hop hier auf einmal überzeugend den Klang von Liebe und Gefühl. Der Himmel, so lernt der Zuschauer in "Brown Sugar", hängt nicht immer voller Geigen. Manchmal hört sich nichts süßer an als das Scratchen auf einem Plattenteller.</P><P>Dramaturgisch recht konventionell erzählt Famuyiwa seine afroamerikanische Version von "Harry und Sally". Die beiden heißen in dieser New Yorker Bronx-und-Hip-Hop-Variante Sidney (Sanaa Lathan) und Dre (Taye Diggs) und kennen sich schon seit der Schulzeit. Die gemeinsame Leidenschaft war stets die Musik, und die zwei schienen füreinander bestimmt.</P><P>15 Jahre später arbeitet Dre als erfolgreicher Plattenproduzent und Sidney als Redakteurin eines Musikmagazins. Man merkt schnell, dass sie immer noch der passende Topf und Deckel sind _ nur Dre und Sidney erkennen es natürlich zuletzt.</P><P>In der Geschichte findet sich kaum eine neue Note, doch Famuyiwa gelingt es, unterstützt von seinen beiden großartigen Hauptdarstellern, dem mittlerweile hinlänglich abgenutzten Genre der romantischen Komödie neues Leben einzuhauchen. Mit dezenter Komik und punktgenau eingesetzten, pfiffigen Dialogen hat Famuyiwa die altbekannte Story von den besten Freunden, die schließlich doch noch ein Liebespaar werden, flott und wirklich unterhaltsam gestaltet.</P><P>"Brown Sugar" kommt zwar ohne große Originalität, aber auch ohne die oft in dieser Sparte existierenden, ungeheuren Mengen an Pathos und Kitsch aus. Und nebenbei ist diese harmlos-sympathische Produktion auch noch eine wunderschön bebilderte Liebeserklärung an den Hip Hop.<BR> (In München: Karlstor.)</P><P>"Brown Sugar"<BR>mit Sanaa Lathan, Taye Diggs<BR>Regie: Rick Famuyiwa<BR>Annehmbar </P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Filmkritik zu „Personal Shopper“: In der totalen Einsamkeit
München - Olivier Assayas „Personal Shopper“ lebt von dem Talent seiner Hauptdarstellerin und driftet nicht in eine Grusel-Persiflage ab.
Filmkritik zu „Personal Shopper“: In der totalen Einsamkeit
Filmkritik zu „Verborgene Schönheit“: Zu viel Pathos
München - David Frankels Drama „ Verborgene Schönheit“ setzt zu sehr auf Symbolik und ein allzu schöngefärbtes Happy End.
Filmkritik zu „Verborgene Schönheit“: Zu viel Pathos
Der schweigsame Onkel: Filmkritik zu „Manchester by the Sea“
München - „Manchester by the Sea“ trumpft vor allem im zwischenmenschlichen Bereich auf. Es geht um Verantwortung und Familie.
Der schweigsame Onkel: Filmkritik zu „Manchester by the Sea“
Satire auf selbstgefällige Frömmler - Filmkritik zu „Der die Zeichen liest“
München - Kirill Serebrennikov verfilmte mit „Der die Zeichen liest“ Marius von Mayenburgs Theaterstück „Märtyrer“. Hauptthema: Jugendliche und die Bibel.
Satire auf selbstgefällige Frömmler - Filmkritik zu „Der die Zeichen liest“

Kommentare