Klassenfahrt mit Kameramann

- Tobi (Robert Stadlober) und sein bester Freund Achim (Kostja Uhlmann) fahren ins Zeltlager zum Rudertraining an einen malerischen See. Das Wetter spielt verrückt, und die Hormone der Charaktere geraten ebenfalls arg aus dem Gleichgewicht in "Sommersturm", einem elegant fotografierten, hinreißend leicht und zugleich einfühlsam erzählten Film über das Erwachsenwerden. Für den 27-jährigen Regisseur Marco Kreuzpaintner ist "Sommersturm" nach "Ganz und gar" bereits der zweite Spielfilm. Premiere ist jetzt auf dem Münchner Filmfest (29. 6., 17 Uhr, Maxx 2 und 2. 7., 22 Uhr, Maxx 4).

<P>Wie viel in "Sommersturm" ist autobiografisch?<BR><BR>Kreuzpaintner: Es gibt eine Menge Anklänge an meine eigene Geschichte, aber das Ganze ist natürlich so verfremdet, dass es nicht eins zu eins mein Leben ist. <BR><BR>Sie rudern also nicht?<BR><BR>Kreuzpaintner: Doch, ich habe in meiner Jugend auch gerudert, auf dem Chiemsee.<BR><BR>Angeblich ist Drehen mit kleinen Kindern, Tieren oder unter freiem Himmel das Schlimmste . . .<BR><BR>Kreuzpaintner: Kann man so sagen. Das war schon anstrengend, als wir draußen gedreht haben. Es schüttete am Anfang ständig wie aus Eimern, als wir eigentlich die Szenen drehen wollten, die im Sonnenschein spielen sollten. Und als wir dann Unwetter oder wenigstens ein anständiges Gewitter gebraucht hätten, mussten wir mit Regenmaschinen nachhelfen.<BR><BR>Mit so vielen Jugendlichen zu arbeiten, das stellt man sich vor wie eine Klassenfahrt mit Kameramann.<BR><BR>Kreuzpaintner: Ein ähnliches Gefühl wie auf Schulausflügen hat sich während der Dreharbeiten schnell eingestellt. Es war richtig Arbeit, die Leute jeden Tag wieder aufs Neue zu motivieren.<BR><BR>Sie haben mit professionellen Darstellern wie etwa Robert Stadlober gedreht, der schon sein halbes Leben lang Filme macht, und mit völlig unerfahrenen Laien . . .<BR><BR>Kreuzpaintner: Diese Unterschiede auszugleichen, das war die eigentliche Schwierigkeit meiner Arbeit. Durch die knappe Drehzeit gab's zum einen einen unheimlichen Produktionsdruck; auf der anderen Seite musste man aber stets genügend Gespür aufbringen für diejenigen, denen das Filmen noch neu und ungewohnt war.<BR><BR>Ihr nicht ganz so fortgeschrittenes Alter hat es Ihnen womöglich auch erschwert, als Autoritätsperson anerkannt zu werden?<BR><BR>Kreuzpaintner: Nein, das war kein Problem. Es ist immer eine Kombination aus der Autorität, die man als Regisseur einfach entwickelt, und so einer kumpelhaften Art. Autoritätsallüren glaubt mir sowieso keiner. Dieses Geniedenken, was man heute Regisseuren gerne zuschreibt, kann ich für mich nicht akzeptieren. Ich lenke das Projekt zwar, aber nur, indem ich alle Energien kanalisiere, damit letztlich ein von allen gemeinsam geschaffenes Werk entstehen kann. Mir ist sehr wichtig, dass sich alle Beteiligten von mir ernst genommen fühlen und sich nicht nur als meine Befehlsempfänger empfinden.<BR><BR>Das klingt nach eigenen schlechten Erfahrungen.<BR><BR>Kreuzpaintner: Ich habe nach dem Abitur viele Praktika beim Film gemacht . . . Diese Erfahrungen, drei Monate nur im Keller zu stehen und Videocassetten abzustauben, die möchte ich anderen ersparen. Ich wäre damals gerne ernster genommen worden.<BR><BR>Sie sind also übers Abstauben zum Film gekommen?<BR><BR>Kreuzpaintner: Wie ich wirklich auf die Idee kam, Regisseur zu werden, ist noch banaler. Kurz vorm Abitur fuhr ein Lehrer mit uns zur Berufsberatung ins Arbeitsamt, und dort haben sich meine Mitschüler alle für Studiengänge wie BWL, Jura oder Medizin interessiert. Mir war damals schon klar, dass so ein Studium nicht das Richtige für mich wäre. Irgendwas Kreatives sollte es schon sein. Und dann bin ich einfach bei der Berufsbezeichnung "Regisseur" hängen geblieben.</P><P>Das Gespräch führte Ulrike Frick <BR></P>

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