Kleine Moralhäppchen

- Viel Glück scheint Bobby in seinem Leben nicht zu haben: Erst kommt der über alles geliebte Bruder ums Leben. Da ist Bobby neun Jahre alt und sieht, wie der Ältere qualvoll verblutet. Die Eltern sterben bald danach. Bobby wächst fortan im Haus seines Schulfreunds Jonathan auf. Dort erleben die beiden Jungen eine klassische 70er-Jahre-Jugend zwischen Flower-Power-Musik, riesigen Hemdkrägen und Marihuana-Joints. Danach verwischen sich die Spuren, auch die Ersatz-Familie zerfällt. Erst im New York der Achtziger treffen sich Bobby (Colin Farrell) und Jonathan (Dallas Roberts) wieder, und mit Jonathans Mitbewohnerin Claire (Robin Wright Penn) entspinnt sich eine eigentümliche Ménage à trois.

<P>Ein gelungenes Stück Literatur auf die Leinwand zu wuchten, das gelang bislang nicht jedem Regisseur gleich gut. Auch in "Ein Zuhause am Ende der Welt" ist dies wieder zu beobachten. Der Pulitzer-Preisträgers Michael Cunningham adaptierte hier seinen Roman persönlich und erlag der Schwierigkeit, Unwichtiges wegzulassen und für einen Spielfilm notwendige, starke Akzente zu setzen. So verflüchtigt sich die eigentlich interessante Geschichte rund um einen jungen Mann, der trotz seiner dramatischen Lebensgeschichte niemals die Ruhe, Würde und Liebe für alle Menschen verliert, im Nirgendwo der detailgenauen Ausstattung. Die facettenreichen Charaktere der Vorlage werden zu wenig herausgearbeitet, stattdessen werden von Regie-Debütant Michael Mayer ständig neue, leicht verdauliche Moralhäppchen serviert. <BR><BR>Wenn es wirklich ergreifend zugehen soll, leisten sich die durchaus bemühten Darsteller stets einen tiefen Blick in die Augen. So stellt man sich auch im Sat.1-Fernsehfilm meistens die Romantik vor. Schade, aber der Roman ist trotzdem lesenswert . . . </P><P>(In München: Leopold, Eldorado, Museum i.O.)<BR><BR>"Ein Zuhause am Ende der Welt"<BR>mit Colin Farrell, Dallas Roberts<BR>Regie: Michael Mayer<BR>Erträglich </P><P> </P><P> </P>

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