Kleiner Stich in die Mamma-mia-Folklore

- Schwule Italiener? So was gibt's nicht, basta. Und trotzdem versucht Angelo seiner Sippe beizubringen, dass Nino nicht nur sein WG-Mitbewohner, sondern sein Herzallerliebster ist. Doch in der Komödie "Mambo Italiano" erweist sich das Coming-Out als besonders riskant. Denn man befindet sich gar nicht mehr in Italien, sondern im Viertel "Petite Italie" in Montreal, dessen erste Einwanderer-Generation neben Tomatensträuchern eine betont konservative Italianità kultiviert. Auch in dieser italo-kanadischen Variante wird die wütende elterliche Abwehr eines "unmoralischen" Lebenswandels und das Festhalten an den Traditionen des Heimatlandes karikiert. Doch die Geschichte von Angelo, dem angehenden Autor, ist weit düsterer.

<P>Inmitten theatralischer Mamma-Mia-Folklore wird jenseits aller Stereotypen die traurige Liebesgeschichte von Angelo und seinem Jugendfreund Nino geschildert, der ein Polizist ist - und kalte Füße bekommt. Was zunächst wie die x-te Multi-Kulti-Farce aussieht, erweist sich als erstaunlich nuancenreich. Im Totalstreit sind manche Ansichten das Hinhören wert: Schwul ist der, der unten liegt. Überdies wird niemand zu seinem Glück gezwungen, und so plädiert der Film nebenbei für das Recht auf Feigheit. Auch die Figuren gewinnen Konturen, allen voran der einzige Promi des Ensembles, Paul Sorvino als Angelos Grantler-Vater. </P><P>(In München: Mathäser, Gloria, Leopold, Sendlinger Tor, Cinema i. O.)<BR><BR>"Mambo Italiano"<BR>mit Luke Kirby , Paul Sorvino<BR>Regie: Emilie Gaudreault<BR>Annehmbar </P>

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