+
Trotz der guten Stimmung überdeckt der Film nicht die harten gesellschaftlichen Zustände, die auf Frauen – und auch auf Männer – wirken.

Kein dröger Episodenfilm

Klischees witzig-schrill torpediert

Für ihre Chaos-Komödie „French Women“ befragte Regisseurin und Schauspielerin Audrey Dana 100 Frauen und hat daraus eine witzige und dennoch tiefer gehende Komödie geschaffen. 

Das Frauenbild in der Gesellschaft ist schlimm. Das Frauenbild im Film ist meist noch schlimmer. Die französische Schauspielerin Audrey Dana sagt: „Wir haben eigentlich nur die Wahl, die Heilige, die Mutter oder die Hure zu sein.“ Sie selbst war so gefrustet von den eindimensionalen Rollen, dass sie beschloss, etwas dagegen zu tun. „French Women – Was Frauen wirklich wollen“ ist das Resultat. Das Drehbuch basiert auf Interviews mit über 100 Frauen, bildet deren Ergebnisse jedoch nicht dokumentarisch ab. Vielmehr reagiert Audrey Dana genauso wie man auf gesellschaftliche Miseren und Unverschämtheiten künstlerisch stets elegant reagieren kann: mit Humor. „French Women“ ist eine Komödie mit episodischem Charakter, aber zum Glück kein dröger Episodenfilm, der den Zuschauer mit einem braven Nacheinander langweilt, statt mit einem ausgelassenen Durcheinander zu amüsieren.

Die typischen Charaktere 

Elf Frauen stehen im Mittelpunkt, darunter freilich Charaktere, die man in Anklängen aus anderen Filme kennt. Das gibt es die einsame Karrieristin (Vanessa Paradis herrlich untypisch besetzt), die vierfache Mutter (Géraldine Nakache), aber auch ganz unorthodoxe Figuren wie die bildschöne, promiskuitive, lesbische Babysitterin (Alice Taglioni), die schräge Busfahrerin (Julie Ferrier) und die von einer Peinlichkeit in die nächste stolpernde Göttin (Laetitia Casta). Das Schöne an Danas Typenkabinett: Jeder Ansatz eines Frauenklischees wird durch die aberwitzig-schrille und turbulente Handlung in sein Gegenteil verkehrt oder zumindest gemindert. Insofern bemüht die Regisseurin das Prinzip der französischen Chaos-Komödie vollkommen zurecht. Besonders gelungen sind jene wenigen, aber intensiven Szenen, in der die weibliche Sexualität eben nicht wie so oft kastriert, sondern hemmungslos ausgelebt wird. Trotz der guten Stimmung überdeckt der Film nicht die harten gesellschaftlichen Zustände, die auf Frauen – und auch auf Männer – wirken. Zwischen all den Gags und all der Versöhnlichkeit sind der unmenschliche soziale Druck, der Zwang des Marktes, der Sexismus und die brutale Konkurrenz deutlich zu spüren.

„French Women“

Mit Isabelle Adjani, Laetitia Casta 

Regie: Audrey Dana

Laufzeit: 116 Minuten

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Ihnen „Sex in the City“ einen Tick zu glatt war.

Von Katrin Hildebrand

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kein Oscar: Die Scheidung von Toni Erdmann
Die Oscar-Nominierten aus Deutschland gehen leer aus – Regisseurin Maren Ade fühlt sich trotzdem als Gewinner.
Kein Oscar: Die Scheidung von Toni Erdmann
Oscars: Kimmel & Co setzen Zeichen gegen Trump 
Bei der Oscar-Gala positionieren sich Gastgeber Jimmy Kimmel und viele Sieger gegen Präsident Trump – der sich nicht meldet.
Oscars: Kimmel & Co setzen Zeichen gegen Trump 
Oscars 2017: So tickt Moderator Jimmy Kimmel
Los Angeles - US-Comedian Jimmy Kimmel wird heute die Oscars 2017 moderieren. Wir stellen den Gastgeber mit deutschen Wurzeln und eigener Late-Night-Show vor.
Oscars 2017: So tickt Moderator Jimmy Kimmel
Oscars 2017: Die Favoriten und Prognosen
Los Angeles - Heute werden in Los Angeles zum 89. Mal die Oscars verliehen. Hier erfahren Sie alles über die diesjährigen Favoriten, alle Nominierungen und unsere …
Oscars 2017: Die Favoriten und Prognosen

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare