Ein Klon wird Mensch

- Nach einer gewaltigen Katastrophe harren die letzten Überlebenden in einem Bunker aus und hoffen darauf, von der Lotterie ausgelost zu werden. Hauptgewinn ist ein Leben auf der Oberfläche, auf einer Insel, die nicht verseucht ist und neu bevölkert werden soll.

Das jedenfalls glauben die Menschen, die in ihrem unterirdischen Lager unter ständiger Kontrolle ihre Zeit totschlagen. Aber weder gab es eine Katastrophe, noch existiert jene Insel, und die Menschen sind eigentlich keine. Es handelt sich um Klone, die als wandelnde Ersatzteillager fungieren. Für ein entsprechendes Entgelt kann man sich ein Duplikat von sich selbst anfertigen lassen, das im Bedarfsfall dann buchstäblich ausgeschlachtet wird. Um die Klone ruhig zu halten, gaukelt man ihnen eine Traumwelt vor, und hinterhältigerweise bedeutet ausgerechnet der Gewinn in der Lotterie das Ende: Die Organtransplantation wartet.

Eine raffinierte Idee, aus der man einen großartigen Film hätte machen können, wenn ihn nicht Michael Bay inszeniert hätte. Der Mann ist technisch unbestritten ein Könner und findet immer wieder faszinierende Bilder. Aber das Erzählen von Geschichten liegt ihm nicht so recht. Zudem hatte er offenbar die Vorgabe, einen Actionfilm für den Sommer abzuliefern. Und so laviert sich der Film zwischen anspruchsvollem Science Fiction-Thriller und lautem Krawall-Kino hindurch.

Solange sich der Film auf die Klone Lincoln Six Echo (Ewan McGregor) und Jordan Two Delta (Scarlett Johansson) konzentriert, die aus der Scheinwelt ausbrechen, zieht "Die Insel" den Zuschauer in ihren Bann. Wenn die beiden als reine Toren das richtige Leben kennenlernen und fast daran verzweifeln, als sie feststellen, dass sie keine eigene Persönlichkeit haben, hat das eine subversive Kraft, weil "Die Insel" natürlich auch als Gleichnis funktioniert: Der Zweifel an behaupteten Wahrheiten, die Unsicherheit darüber, was Identität ist - das alles sind Dinge, die auch Nicht-Klone unserer Tage bewegen.

Schwierig wird es immer, wenn sich der Film als Action-Spektakel geriert und mit aberwitzigen Verfolgungsjagden Spannung simuliert. Diese überflüssigen Einlagen stören den Handlungsfluss und lenken von den interessanten Details der Geschichte ab. Und davon gibt es einige zu entdecken. "Traut niemandem - Menschen tun alles, um zu überleben", rät ein wohlgesonnener Mitarbeiter der Klon-Anstalt (Steve Buscemi) Lincoln Six Echo, als der flieht, und der arglose Klon versteht nicht, was damit gemeint ist. Am Ende ist Lincoln buchstäblich über Leichen gegangen und hat sein Original geopfert, um am Leben zu bleiben. Aus dem Klon ist ein Mensch geworden. Ob das ein Happy End ist, bleibt offen.

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