Knallbuntes Bonbon

- Sie ist der Sex-Traum von Millionen Stubenhockern, die ihre Tage vor dem Monitor verbringen - Lara Croft, die Heldin des Computerspiels "Tomb Raider". Als angebliche Archäologin tummelt sie sich in hautengem Dress und mit beachtlicher Oberweite in exotischen Kulissen und tut, was Archäologinnen wohl so machen: Sie schießt wild um sich und zerstört dabei mit Vorliebe jene Artefakte, die sie eigentlich retten will. Dieses Konzept ist derart erfolgreich, dass es Hollywood für sich entdeckt hat.

<P>Bereits vor zwei Jahren hüpfte, rannte und ballerte sich Angelina Jolie durch eine Verfilmung, die selbst bei großem Wohlwollen nur als willkürliche Ansammlung postpubertärer Klischees beschrieben werden kann. Für den zweiten Teil wurde Action-Spezialist Jan de Bont engagiert, um wenigstens ein klein wenig Struktur in das Durcheinander aus Computerspiel und Kostümball zu bringen. Und de Bont gelingt das auch recht gut. </P><P>Die haarsträubend unsinnige Geschichte um die Hatz auf die Büchse der Pandora, die Alexander der Große einmal gefunden und dann wieder versteckt hat, dient nur als Antriebsfeder für eine geradlinige und spannende Inszenierung. De Bont verzichtet dabei auf den inflationären Einsatz von Spezialeffekten und setzt stattdessen auf rasante Actionszenen, die gekonnt von der mitunter dämlichen Handlung ablenken.<BR><BR>Auch das esoterische Geschwafel, das einem den ersten Teil nachhaltig vergällt hat, wurde drastisch reduziert. Zudem kann de Bont auf eine sehr gute Besetzung bauen, die auch geistlose Dialoge mit Anstand vorzutragen weiß. Insbesondere der irische Routinier Ciaran Hinds überzeugt als leicht irrer Wissenschaftler, der mit den Übeln, die die Büchse der Pandora birgt, die Welt von angeblich überflüssigen Bevölkerungsgruppen befreien möchte. Und Til Schweiger spielt in einer Nebenrolle sehenswert das, was Deutsche in US-Filmen meistens sind: den Bösewicht. <BR><BR>Die Leistung von Angelina Jolie entzieht sich letztlich der Kritik. Als Fleisch gewordene Computerfigur macht sie ihre Sache nicht schlecht, aber einen Charakter mit zwei Gesichtsausdrücken durch einen gesamten Film zu tragen, ist kaum als Schauspielerei zu bezeichnen. Ihre Aufgabenstellung ist ohnehin eine andere. </P><P>Sie soll durch ihre physische Präsenz überzeugen und mit Sado-Maso-Verkleidungen die Fantasien des vornehmlich minderjährigen Publikums bedienen. Überhaupt sieht "Lara Croft: Tomb Raider - Die Wiege des Lebens" immer ein wenig nach "Indiana Jones" für Kinder aus - und soll es ja auch sein. Von der Leinwandversion eines Computerspiels ist nicht mehr zu erwarten als ein knallbuntes Bonbon für den einmaligen Konsum. </P><P>(In München: Mathäser, Marmorhaus, Maxx, Royal, Gloria, Münchner Freiheit, Cinema i. O., Autokino, Gabriel.)<BR><BR>"Lara Croft: Tomb Raider - Die Wiege des Lebens"<BR>mit Angelina Jolie, Gerard Butler<BR>Regie: Jan de Bont <BR>Annehmbar </P><P><BR> </P>

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