Knallpilze und Pfefferpistolen

- Eine dicke Knollennase, zerzauste Haare und ein buschiger Bart - dieser Räuber Hotzenplotz schaut wahrlich aus wie aus dem Bilderbuch. Mit Armin Rohde ist er perfekt besetzt. Wenn der mit den Augen rollt, in der Räuberhöhle umherpoltert oder tumb den Berg hinunterkullert, ist sein Hotzenplotz genau so, wie ihn sich Otfried Preußler einst ausgemalt haben mag: grimmig-tollpatschig, ganz der böse Bube im Spiel und doch nie so gruselig, dass sich die kleinen Zuschauer im Kino wirklich fürchten müssen.

Denn für die - und nur für die - ist Gernot Rolls neuester Streifen gedacht. Ganz nah an der Vorlage bewegt der Regisseur seine zu Menschen gewordenen Kasperlfiguren und tobt sich zusammen mit den Schauspielern mit sichtlichem Spaß in bunten Kostümen, simplen Slapstick-Szenen und dem einfachen Sprachwitz Preußlers aus.

Statt den Kinderbuchklassiker in ein modernes Gewand zu stecken, vertraut Roll ganz auf den Charme von Pickelhaube, die mit Pfeffer geladene Räuberpistole und die Kaffee mahlende Großmutter - ein Konzept, das ebenso wie das gute alte Kasperltheater auch in Zeiten von Gameboy und Videospielen noch aufgehen kann. Bedingung dafür sind allerdings Schauspieler, die sich selbst eine kindliche Freude an solchen Geschichten bewahrt haben. Und die hat Roll hier tatsächlich versammelt: Wenn Rufus Beck als Petrosilius Zwackelmann mit grün blitzenden Augen und Hakennase verzweifelt Kartoffeln verhext, Katharina Thalbach als herrlich schräge Frau Schlotterbeck ausgerechnet dem dusseligen Wachtmeister Dimpfelmoser (Piet Klocke) den Kopf verdreht und Christiane Hörbiger als Großmutter genüsslich "Knallpilze" kocht, können sich die Kleinen wegwerfen vor Lachen.

Einzige Fehlbesetzung im Film ist Barbara Schöneberger in der Rolle der Fee Amarillis. Die versprüht als fette Unke fast mehr Charme denn als eitle Fee, und zumindest die erwachsenen Begleitpersonen ertappen sich bald bei dem Gedanken, man möge ihr ein wenig mehr schauspielerisches Talent anzaubern - oder sie im Tümpel versauern lassen . . .

(In München: Mathäser, Marmorhaus, Maxx, Royal, Leopold, Cadillac, Rio, Kino Solln.)

"Der Räuber Hotzenplotz" mit Armin Rohde, Rufus Beck

Regie: Gernot Roll

Sehenswert

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