König des heimischen Frohsinns

- Was soll man tun, wenn man die erfolgreichste deutschsprachige Filmkomödie aller Zeiten gedreht hat? Wenn Millionen Kinder auf den Schulhöfen des Landes Szenen nachspielen und Dialogzeilen ("Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden") Eingang in den alltäglichen Sprachgebrauch gefunden haben? Wenn das Publikum, die Branche und die Medien mit astronomischen Erwartungen auf das nächste Projekt warten - nur um es genüsslich zerreißen zu können? Michael "Bully" Herbig, seit "Der Schuh des Manitu" der König des heimischen Frohsinns, besinnt sich in dieser Situation der alten irischen Maxime: "Mach, was Du willst, es ist sowieso verkehrt."

<P>Offenkundig völlig unbelastet von dem immensen Druck frönt der Mann also in seinem neuen Film "(T)Raumschiff Surprise - Periode 1" wieder dem gekonnt überdrehten Schwachsinn, der ihn bekannt gemacht hat. Die Geschichte beruht einmal mehr auf Herbigs alter Fernsehsendung "Bullyparade", in der er liebevoll die legendäre TV-Serie "Raumschiff Enterprise" parodiert hatte. Und so schweben in der Spielfilmversion dieser Sketche die drei Weltraum-Tucken Mr. Spuck (Michael Herbig), Captain Kork (Christian Tramitz) und Schrotty (Rick Kavanian) durch die Kulissen, um die Welt zu retten.<BR><BR>Der Mann wird eines Tages einen wirklich großen Film drehen</P><P>Mittels einer Zeitreise soll die Zerstörung der Welt im Jahre 2304 verhindert werden. Das reicht Herbig als Aufhänger für eine durchaus amüsante Nummernrevue, der es aber an stringenter Dramaturgie mangelt und die deswegen mitunter reichlich behäbig vor sich hin plätschert.<BR><BR>Fairerweise darf freilich erwähnt werden, dass die Macher des Originals "Raumschiff Enterprise" dasselbe Problem hatten, als sie anfingen, Spielfilme auf Grundlage der Serie zu drehen. Außerdem muss man Herbig zugute halten, dass er sichtlich nicht die geringste Lust verspürt, sich zu verbiegen. Er tut, was er immer getan hat, und pendelt dabei wie gewohnt vogelwild zwischen genial und sinnlos.<BR><BR>Die lichten Momente sind diesmal zugegebenermaßen eher rar gesät, aber wenn Herbig etwas gelingt, dann gelingt es ihm formvollendet. Sky Dumont etwa darf in einem Gastauftritt wieder eine Gesangs- und Tanzeinlage geben, die man als klassisch bezeichnen kann. Auch Til Schweiger und Anja Kling zeigen unter Herbigs Regie etwas unerwartet erstaunliches Humorpotenzial. Außerdem beweist Herbig, dass er handwerklich zu den besten Regisseuren zählt, die Deutschland zu bieten hat.<BR><BR>Und das ist kein Spaß, die neun Millionen Euro, die er in diesen Film gesteckt hat, sieht man - im besten Sinne des Wortes. Die Akribie und technische Perfektion, mit der Herbig unterschiedliche Genres und Stile karikiert, lassen diesen Film überhaupt erst funktionieren.<BR><BR>Der Mann wird eines Tages einen wirklich großen Film drehen. Und vielleicht wird es nicht einmal eine Komödie sein. Bis dahin kann man sich leidlich mit dem "(T)Raumschiff Surprise" unterhalten. </P><P>(Ab morgen; München: Mathäser, Marmorhaus, Maxx, Gloria, Leopold, Münchner Freiheit, Atelier, Cadillac, Autokino, Sendlinger Tor, Cincinnati, Gabriel, Solln.)<BR><BR>"(T)Raumschiff Surprise"<BR>mit Michael "Bully" Herbig, Christian Tramitz, Rick Kavanian<BR>Regie: Michael "Bully" Herbig<BR>Annehmbar </P><P> </P><P> </P>

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