Kino-Trailer und Filmkritik

„4 Könige“: Heiligabend in der Anstalt

Das Kino-Drama "4 Könige" ist ein fast dokumentarischer Film über Jugendliche im Weihnachtsstress. Hier der Trailer und unsere Filmkritik.

Es sind unterschiedliche Gründe, aus denen die vier Jugendlichen nicht mit ihren Familien Weihnachten feiern: Lara erholt sich von einer Drogenpsychose, Fedja vom Mobbing in der Schule. Timos Aggressionen richten sich gegen seine gesamte Umwelt, und Alex konnte sich nicht dazu entschließen, die Feiertage beim ungeduldigen Vater zu verbringen statt bei der depressiven Mutter. Kurzerhand ließ sie sich aus einem fahrenden Auto fallen, woraufhin ihr die Entscheidung abgenommen wurde: Weihnachten in der Psychiatrie mit den drei anderen und Dr. Wolff.

Ist diese Konstellation erst einmal etabliert, ergeben sich Spannungspotenzial und Komik fast von allein. Tonangebend ist Jella Haase als Lara, bekannt als Proll-Tussi Chantal aus „Fack ju Göthe“. Ihr gelingt eine Mischung aus Trotz, Fürsorge, Provokation und Verletzlichkeit. Doch nicht nur die Jugendlichen müssen sich zusammenraufen, auch Dr. Wolff hat zu kämpfen: Nicht allen Kollegen gefällt seine gelassene Art, mit den jungen Patienten umzugehen. Eine der Pflegerinnen plädiert für härteres Durchgreifen. Klar, dass das auch vor den Jugendlichen nicht verborgen bleibt, und so kommt es an Heiligabend zum großen Knall.

An diesem Höhepunkt des Films  wirkt die Geschichte etwas zu konstruiert. Über weite  Strecken hat „4 Könige“ fast Dokumentarcharakter. Der Konflikt zwischen den  Betreuern  und  die etwas hölzern aufgeteilte Gut-Böse-Zuschreibung zwischen Arzt und Pflegerin hemmt diesen Fluss, lässt alles unnötig lehrreich werden. Gut nur, dass  die vier jungen Darsteller so dynamisch drauflos spielen.

von Johanna Popp

„4 Könige“

mit Jella Haase, Moritz Leu

Regie: Theresa von Eltz

Laufzeit: 99 Minuten

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Gegen die Wand“ mochten.

Rubriklistenbild: © Sandra Müller/C-Films Deutschland/dpa

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