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Samuel Finzi (l-r) als Tristan, Emma Schweiger als Magdalena und Til Schweiger als Henry.

Kino-Kritik zum neuen Schweiger-Film

Überraschendes Ende in "Kokowääh 2"

München - Mit "Kokowääh 2" bringt Til Schweiger die Fortsetzung einer typischen Liebeskomödie ins Kino. Am Ende gibt es aber doch eine Überraschung.

Was geschieht, wenn die Traumfrau gefunden ist und sich die Patchwork-Familie zusammengerauft hat? Dann kommt der Alltag – und der kann richtig hart sein. Schließlich ist er die eigentliche Herausforderung.

Das weiß auch Til Schweiger, der jetzt in „Kokowääh 2“ (abgeleitet vom französischen Geflügel-Gericht „Coq au vin“) sein Traumpaar Henry und Katharina auf deren Alltagstauglichkeit testet. Wie es sich für jede anständige Beziehungskomödie gehört, wird sich erst ganz am Ende des Films, nach zig Drehungen und Wendungen, nach Missverständnissen, Zoff, Kummer und Versöhnung herausstellen, dass Henry (Schweiger) und Katharina (einmal mehr beeindruckend souverän: Jasmin Gerat) eben doch füreinander bestimmt sind. Und natürlich muss wiederum Henrys Tochter Magdalena (Emma Schweiger) wesentlich dazu beitragen, dass die beiden Erwachsenen das kapieren.

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Schweiger, der diesen Film nicht nur inszenierte, sondern wiederum auch produzierte, die Hauptrolle spielt und am Drehbuch mitschrieb, erzählt routiniert, gekonnt, mit Gespür für Tempo, Dialog und seiner zwischenzeitlich bekannten Vorliebe für zu viel Musikuntermalung des Geschehens. Ohne Zweifel ist er der Fachmann für massentaugliche Beziehungskomödien in Deutschland: Mehr als 14 Millionen Menschen haben seine Filme „Keinohrhasen“, „Zweiohrküken“ und „Kokowääh“ im Kino gesehen. Wer also jetzt „Kokowääh 2“ anschaut, weil er die Fortsetzung einer liebenswerten Beziehungs- und Patchworkkomödie erwartet, der wird auch von diesem Film nicht enttäuscht werden. So weit, so erwartbar – dieser Text könnte hier enden.

Schweighöfers Überraschungs-Auftritt

Doch Schweiger hat in diesem Film eine weitere Handlungsebene etabliert, die überrascht, die schräg und ironisch ist. In „Kokowääh 2“ steckt tatsächlich eine ordentliche Portion Anarchie – und sie trägt den Namen Matthias Schweighöfer. Schweiger hat seinem Schauspiel- und Regiekollegen die vollkommen überzogene Rolle eines Star-Schauspielers namens Matthias Schweighöfer ins Drehbuch geschrieben. Und Schweighöfer spielt diesen arroganten Kotzbrocken mit Hingabe, vollkommen neben der Spur und daher brüllend komisch. Seine Figur will unbedingt die Hauptrolle übernehmen in der Verfilmung von Katharinas Bestsellerroman. Die allerdings kann den Film-Schweighöfer nicht ausstehen, der sich zu allem Überfluss auch noch darauf versteift, den Stoff einzig und allein mit einem Kunstfilm-Regisseur zu realisieren, der zwar die Kritiker, nicht aber die Zuschauer begeistert. An Henry, der mit diesem Film seine Karriere als Produzent zum Laufen bringen will, liegt es nun, all diese Eitelkeiten und Animositäten zu zähmen, miteinander in Einklang zu bringen – und dafür zu sorgen, dass der eh schon durchgeknallte Schweighöfer nicht vollkommen durchdreht.

Schweiger und die Filmkritiker

All diesen Szenen von „Kokowääh 2“ ist der Spaß anzumerken, den Schweiger beim Inszenieren und seine Darsteller beim Spielen dieser Persiflage auf den Filmzirkus gehabt hatten. Dabei macht Schweiger auch vor sich selbst nicht Halt: „Matthias sehnt sich nach der Anerkennung der Kritiker“, heißt es an einer Stelle des Films etwa über die Schweighöfer-Figur. Kein Geheimnis ist, dass Schweiger und weite Teile der deutschen Filmkritik seit Jahren kein gutes Haar aneinander lassen.

Und so stellt sich am Ende zwangsläufig diese eine Frage: Was wäre, wenn Til Schweiger beim nächsten Mal einzig und allein eine Satire aufs Filmgeschäft drehen würde – ganz ohne Beziehungskomödie? Wie schade, dass wir eine solche Produktion wohl nie von ihm zu sehen bekommen werden.

Michael Schleicher

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