Komiker an Cannes' Croisette

"Mr. Bean": - "You speak French very well." - "Gracias!" Okay, in Wirklichkeit war der Umgang mit Sprache auch noch nie die große Stärke des britischen Exzentrikers Mr. Bean, wie immer gespielt von Rowan Atkinson. So kommt es ihm zupass, dass er eine Reise nach Cannes gewinnt, wo man ihn ohnehin nicht versteht. Und wo gerade wieder das protzigste Filmfestival des Jahres stattfindet.  Filmbericht: Mr. Bean im gelben Mini

Um den Aufmarsch der Reichen und Schönen festhalten zu können, bekommt Bean von der Kirchenlotterie noch einen schicken Camcorder draufgelegt.

Der erwartete Zusammenprall der Kulturen reduziert sich in "Mr. Bean macht Ferien" freilich auf den Kampf mit Austern, Garnelen und aufdringlichen Kellnern. Danach sind die (nicht nur) englischen Frankreich-Klischees weitgehend verbraten, und der Film setzt auf die universale Komik eines naiven Tollpatsches in Not - sowieso zentraler Bestandteil der "Methode Bean".

 Filmbericht: Mr. Bean im gelben Mini

Er trennt versehentlich am Pariser Bahnhof einen Vater von seinem Sohn. Nun hat Bean nicht nur den lebhaften Buben am Hals, sondern auch die Gendarmerie, denn der Herr Papa ist russischer Filmemacher, Jurymitglied des Festivals und wittert eine Entführung. Auf urige Flohmärkte führt die Reise, in Kornfelder und auf ein Filmset. Immer dabei: der Camcorder. Wie mancher Urlauber scheint auch Bean nur das zu erleben, was er auch aufnehmen kann - ein Seitenhieb auf diese Ferienbeschäftigung und die Macht bewegter Bilder. Um die geht es auch im Showdown in einem riesigen Kinosaal an der Croisette, wo der Film sich wieder mehr um seine eigentliche Geschichte kümmert als in der Nummernrevue zuvor.

Spannend und urkomisch wie Regisseur Steve Bendelack die Eitelkeiten des Geschäfts - wunderbar personifiziert in dem Egomanen Carson Clay (Willem Dafoe) - entlarvt und die Worthülsen der hohen Filmkunst persifliert. Denn er weiß, welche Art Humor die Bean-Skeptiker von dem Anarcho-Komödianten erwarten. Die hat er gründlich enttäuscht - auch deshalb, weil Atkinson sich zurückhält mit seiner überbordenden Mimik und einige sehr gefühlvolle, slapstickfreie Momente zulässt, die zu den schönsten des Films gehören.

(Ab 29. März in München. Mathäser, Maxx, Royal, Münchner Freiheit, Cadillac, Rio, Rex, Autokino, Cinema i.O., Sendlinger Tor, Museum i.O., Cincinnati.)

"Mister Bean

macht Ferien"

mit Rowan Atkinson

Regie: Steve Bendelack

Sehenswert

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